Heute: September 8, 2026

Warum sich KI-Lernen auch im hohen Alter lohnen kann

Künstliche Intelligenz kann älteren Menschen im Alltag helfen. Der IT-Unternehmer und Dozent Klaus Jürgen Lapp zeigt in Seminaren, wie Rentner Anwendungen wie ChatGPT für Formulare, Alltagsfragen, Schreiben und Übersetzungen einsetzen können.

Viele ältere Menschen sind im Umgang mit neuer Technik unsicher. Einer Bitkom-Studie zufolge bewerten Menschen über 65 ihre eigene Digitalkompetenz im Durchschnitt mit der Schulnote 4,3. Bei den über 75-Jährigen liegt die Selbsteinschätzung demnach bei 4,8. Das spiegelt laut dem vorliegenden Beitrag jedoch eher die Unsicherheit als eine grundsätzliche Unfähigkeit wider.

Wissenschaftliche Untersuchungen kommen demnach zu dem Ergebnis, dass es keine feste Altersgrenze für das Erlernen neuer Technologien gibt. Die Beschäftigung mit digitalen Anwendungen könne geistig anregend wirken. Ältere Menschen lernten neue Medien leichter, wenn sie einen konkreten Nutzen erkennen und der Lernstoff an bereits vorhandenes Wissen anknüpft.

Lapp beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit Informationstechnologie, berät Unternehmen und arbeitet als Dozent in der Erwachsenenbildung. Nach einer Hüftoperation, während der er ans Bett gebunden war, begann er, sich intensiver mit künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen. Später schrieb er ein Buch über das Lernen im Alter und über die Wirkung von Gesprächen mit einer KI.

In seinem Schulungszentrum in Zweibrücken bietet Lapp inzwischen Seminare für Menschen an, die den Umgang mit künstlicher Intelligenz lernen möchten. Zu den Teilnehmern gehören auch viele Rentner. „KI kommt massiv in allen Bereichen – aber viele werden damit alleingelassen, Jüngere wie Ältere“, sagt Lapp.

Als ein Einsatzgebiet nennt er Formulare und Behördenschreiben. Dokumente könnten fotografiert und einer KI zur Unterstützung beim Ausfüllen übergeben werden. Auch bei Alltagsfragen, etwa zum Kochen oder bei praktischen Problemen, könne eine KI helfen.

Ein weiterer Bereich ist das Verfassen und Übersetzen von Texten. Lapp berichtet, er habe einem 70-jährigen Unternehmer gezeigt, wie dieser ein Kundenangebot erstellen und in fünf Sprachen übertragen lassen kann.

Gleichzeitig betont Lapp, dass künstliche Intelligenz nicht jede Form menschlicher Kommunikation ersetzen könne. Im persönlichen Gespräch mit Freunden, in der Familie, beim Arzt oder mit einer anderen Vertrauensperson bleibe der Mensch das bessere Gegenüber. Lapp wünscht sich deshalb mehr sogenannte Digitalbegleiter, die älteren Menschen den praktischen Umgang mit KI vermitteln.

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