Heute: September 8, 2026

Verfahren gegen Lindsay Clancy nach Pattsituation der Jury beendet

Der Prozess gegen Lindsay Clancy wegen des Todes ihrer drei Kinder ist in Massachusetts ohne Urteil beendet worden. Nach sieben Wochen konnte sich die Jury nicht einstimmig auf eine Entscheidung einigen. Ein Geschworener war von Clancys Unschuld wegen einer mutmaßlichen postpartalen Psychose nicht überzeugt.

Richter William Sullivan erklärte das Verfahren in Plymouth am Freitag für ungültig. Die Jury hatte fast 40 Stunden beraten. Elf Geschworene hielten Clancy nach Angaben aus dem Verfahren für nicht schuldfähig, die Zustimmung aller zwölf Mitglieder wäre jedoch erforderlich gewesen.

Die Staatsanwaltschaft wirft Clancy vor, ihre drei Kinder am 24. Januar 2023 im Keller des Familienhauses in Duxbury getötet zu haben. Betroffen waren ihre Tochter Cora sowie ihre Söhne Dawson und Callan im Alter von fünf Jahren, drei Jahren und acht Monaten. Clancy hatte die Tat eingeräumt.

Nach dem Tod der Kinder verletzte sich Clancy selbst und stürzte aus dem Fenster eines Obergeschosses. Seitdem sitzt sie im Rollstuhl. Ihr damaliger Ehemann Patrick Clancy, der die Kinder und seine verletzte Frau nach seiner Rückkehr gefunden hatte, trat im Prozess als erster Zeuge auf. Das inzwischen geschiedene Ehepaar hat drei gemeinsame Kinder.

Die Verteidigung argumentierte, Clancy sei zum Tatzeitpunkt infolge einer postpartalen Psychose nicht zurechnungsfähig gewesen. Nach der Geburt ihres jüngsten Sohnes hatte sie schwere psychische Probleme und war zwischenzeitlich in einem Krankenhaus behandelt worden. Zudem war von inneren Stimmen und einer möglichen Verschlechterung durch Psychopharmaka die Rede. Psychiater kamen im Verfahren zu unterschiedlichen Einschätzungen.

Die Anklage vertrat dagegen die Auffassung, Clancy habe „absichtlich, rational und zügig“ gehandelt, als sie die Kinder während der kurzen Abwesenheit ihres Mannes mit einem Gymnastikband tötete. Staatsanwalt Timothy Cruz hatte Anklage wegen dreifachen Mordes erhoben. Bei einer Verurteilung hätte Clancy lebenslange Haft gedroht.

Die Verteidigung hatte zuletzt versucht, den Geschworenen, der einer Entscheidung im Sinne eines Freispruchs nicht zustimmte, aus der Jury entfernen zu lassen. Anwalt Kevin Reddington wandte sich deshalb mit einem Eilantrag an den Obersten Gerichtshof von Massachusetts. Richter Sullivan entschied sich jedoch dafür, den Prozess abzubrechen.

Ob es zu einem neuen Verfahren kommt, ist offen. Die Staatsanwaltschaft prüft nach den vorliegenden Angaben, ob sie einen weiteren Prozess anstreben will. Cruz erklärte, die Priorität habe stets darin bestanden, für Cora, Dawson und Callan zu kämpfen.

Clancy soll in das Tewksbury Hospital zurückkehren, eine staatliche psychiatrische Klinik. Dort soll es unter anderem um die Behandlung möglicher Suizidgedanken oder einer bipolaren Störung gehen. Außerdem soll sie die Tötung ihrer Kinder verarbeiten und auf eine mögliche Rückkehr in die Gesellschaft vorbereitet werden.

Der Fall hatte in den USA große öffentliche Aufmerksamkeit ausgelöst und wurde im Internet live übertragen. Die Bewertung Clancys spaltete die Öffentlichkeit: Während einige sie als Täterin sehen, betrachten andere sie als psychisch erkranktes Opfer. Ein rechtskräftiges Urteil gibt es nach dem Abbruch des Verfahrens zunächst nicht.

Quelle: vorliegendes Ausgangsmaterial; einzelne Angaben und wörtliche Passagen gehören zum zugrunde liegenden Bericht.

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