Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnen zwei Unternehmer vor unterschiedlichen Folgen eines starken AfD-Ergebnisses. Karl Gerhold, Gründer des Energiekonzerns GETEC, befürchtet Nachteile für Investitionen und Arbeitsplätze. Der Handwerksunternehmer Thomas Kowalski kritisiert dagegen die etablierten Parteien und fordert eine offenere Debatte über politische Alternativen.
Gerhold sagte, Sachsen-Anhalt sei auf Fachkräfte aus dem Ausland und Investoren von außerhalb des Landes angewiesen. Bei einem größeren Vorhaben im Harz arbeite sein Unternehmen mit einem ausländischen Konzern zusammen. Es könne sein, dass dieser das Projekt absage, sollte die AfD an die Regierung kommen. Investoren müssten Geld und Arbeitsplätze ins Land bringen. Eine AfD-Regierung könne dies nach seiner Einschätzung deutlich erschweren.
Der Unternehmer unterstützt die Initiative „Wahre Heimatliebe ist …“, mit der prominente Sachsen-Anhalter vor einer absoluten Mehrheit der AfD warnen. Er kritisierte an der Partei unter anderem völkische Tendenzen und Anklänge an die Nazi-Zeit. Das sei für ihn ein „absolutes No-go“.
Kowalski, der in Halberstadt einen Handwerksbetrieb mit rund 20 Mitarbeitern führt, äußerte sich zurückhaltender. Er könne mit Teilen des AfD-Programms ebenfalls nichts anfangen. Einen Austritt aus dem Euro-Raum bezeichnete er als „absoluten Humbug“. Auch mit dem Begriff „kulturfremd“ habe er ein Problem.
Gleichzeitig zeigte sich Kowalski von den etablierten Parteien enttäuscht. Wenn CDU und FDP ihre aus seiner Sicht wichtigen wirtschaftspolitischen Positionen nicht mehr durchsetzen könnten, müsse die Frage nach einer Alternative erlaubt sein. Er vermisse eine sachliche Auseinandersetzung mit den Inhalten der AfD und beklagte, dass zu oft nur auf die Partei gezeigt werde.
Für Unternehmer seien verlässliche und planbare Rahmenbedingungen entscheidend, sagte Kowalski. Nur dann könne er investieren. Als Problem nannte er unter anderem die Kosten für die Entsorgung von Dämmmaterial im Zusammenhang mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz. Außerdem äußerte er Sorge, ob in einigen Jahren noch genügend öffentliche Aufträge vorhanden sein könnten.
In diesem Punkt stimmte Gerhold ihm teilweise zu. Die frühere Bundesregierung habe große Summen bereitgestellt, woraus viele Probleme entstanden seien. Die AfD könne die Unzufriedenheit der Menschen deshalb leicht für sich nutzen. Für Sachsen-Anhalt wäre eine AfD-Regierung dennoch schädlich, sagte Gerhold.
Bei der Bewertung des Landes selbst lagen die Unternehmer näher beieinander. Gerhold widersprach der Darstellung, Sachsen-Anhalt werde grundsätzlich schlechtgeredet. Kowalski lobte ebenfalls die Lebensqualität im Harz und in Halberstadt. Seine Kritik richte sich vor allem gegen Entwicklungen auf Bundesebene; der Landesregierung gab er die Note drei.
Gerhold wünschte sich nach der Wahl ein vernünftiges Ergebnis ohne Minderheitsregierung. Besonders unglücklich wäre er nach eigenen Angaben über eine AfD-Regierung. Kowalski verband seine Erwartungen vor allem mit einer neuen Debattenkultur, in der sich politische Akteure wieder stärker respektierten und voneinander lernten.
Der Beitrag basiert auf einem Gespräch der BILD-Reporterinnen Michèle Borcherding und Patricia Platiel mit Karl Gerhold und Thomas Kowalski in Magdeburg.