Deutsche Sicherheitsbehörden beobachten seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 eine Zunahme von Spionage, Sabotage und Anschlagsversuchen. Betroffen waren unter anderem Pipelines, Bahnverbindungen, Flughäfen, Energieanlagen und Unternehmen. Als mögliche Täter stehen sowohl Linksextremisten als auch staatliche Akteure, insbesondere Russland, im Fokus.
Am 26. September 2022 wurden nach Explosionen nahe der Ostsee-Insel Bornholm vier Lecks an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 entdeckt. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts verfassungsfeindlicher Sabotage. Im Juli 2026 wurde Anklage gegen einen mutmaßlichen ukrainischen Drahtzieher erhoben. Im August wurde ein weiterer Verdächtiger in Kroatien festgenommen. Der Prozess soll am 14. Oktober vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg beginnen.
Am 8. Oktober 2022 wurden zwei Glasfaserkabel der Deutschen Bahn in Berlin und Herne vorsätzlich durchtrennt. Der Bahnverkehr in Norddeutschland kam für mehrere Stunden zum Erliegen. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen, sah später jedoch keinen ausreichenden Anfangsverdacht für ein politisches Motiv.
Im Juli 2024 enthielt ein Luftfrachtpaket aus Litauen im DHL-Frachtzentrum am Flughafen Leipzig/Halle einen Brandsatz. Der damalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, erklärte, Deutschland sei nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Am 18. August 2026 wurde ein Ukrainer wegen Spionage zu Sabotagezwecken zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt. Die Verdächtigen wurden als sogenannte „Wegwerf-Agenten“ bezeichnet, die für Russland tätig gewesen seien.
Im August 2024 wurden über dem ChemCoast Park in Brunsbüttel wiederholt mutmaßliche Spionagedrohnen gesichtet. Die Fluggeräte überflogen Anlagen der Chemie- und Mineralölindustrie sowie das LNG-Terminal. Die Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt wegen des Verdachts der Agententätigkeit zu Sabotagezwecken.
Am 31. Juli 2025 führten mutmaßlich vorsätzlich verursachte Kabelbrände auf der Bahnstrecke zwischen Duisburg und Düsseldorf zur Sperrung einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung. Die Strecke blieb knapp zwei Tage lang geschlossen. Die Polizei geht von Sabotage aus. Ein Bekennerschreiben aus dem linksradikalen Spektrum wurde als wahrscheinlich echt eingestuft.
Anfang Oktober 2025 wurden am Flughafen München Drohnen unbekannter Herkunft gesichtet. Der Flugbetrieb wurde jeweils vorübergehend eingestellt. Ende Oktober wurde auch am Berliner Hauptstadtflughafen BER eine Drohne entdeckt. Täter und Hintergründe blieben in beiden Fällen ungeklärt. Im selben Monat fanden Sicherheitsbehörden in einem Waldstück nahe Berlin zwei Pistolen und Munition. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts geheimdienstlicher Agententätigkeit und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.
Am 3. Januar 2026 kappten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins. Rund 45.000 Haushalte, 2.200 Geschäfte und Firmen sowie Krankenhäuser und Pflegeheime waren tagelang ohne Strom. Die „Vulkangruppen“ bekannten sich zu dem Anschlag. Bereits im März 2024 hatte sich die Gruppe zu einem Brandanschlag auf einen Hochspannungsmast bekannt, der auch die Tesla-Fabrik in Brandenburg versorgt.
Am 5. August 2026 wurde auf einer Start- und Landebahn des Flughafens Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff und einem Zünder bestückte Drohne entdeckt. Ein mutmaßlich zweites Flugobjekt kollidierte mit einem Frachtflugzeug, das mit leichten Beschädigungen in Hannover landete. Die Bundesanwaltschaft ermittelt. Die Bundesregierung machte Russland für den Angriff verantwortlich. Sachsens Innenminister bezeichnete den Vorfall als „Staatsterrorismus“.
Am 2. September 2026 fanden Ermittler an einem Umspannwerk nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg Sprengvorrichtungen und Pyrotechnik. Brandenburgs Innenminister schloss eine Beteiligung „fremder Mächte“ nicht aus. Auch an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln wurden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik entdeckt. Die Ermittler gehen dort von verfassungsfeindlicher Sabotage aus.
Die Übersicht wurde mit dpa-Material erstellt und gehört zu einer im Deutschlandfunk ausgestrahlten Nachricht vom 4. September 2026.