Eine transplantierte Schweineniere hat 271 Tage lang im Körper eines 66-jährigen Mannes funktioniert. Damit überstand der Patient erstmals über einen so langen Zeitraum ohne Dialyse, bevor das Organ versagte und entfernt werden musste.
Der Mann litt infolge einer Diabeteserkrankung unter schwer geschädigten Nieren und war bereits zwei Jahre auf eine Dialyse angewiesen. Eine Lebendspende stand nicht zur Verfügung. Die Aussichten auf eine menschliche Spenderniere waren nach Einschätzung seiner Ärzte gering: Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von fünf Jahren ein Organ zu erhalten, lag demnach bei neun Prozent. Das Risiko, die Wartezeit nicht zu überleben, wurde mit 40 Prozent angegeben.
Daraufhin transplantierten die Ärzte dem Patienten die Niere eines Schweins. Nach Angaben des beteiligten Teams arbeitete das Organ so lange, dass der Mann insgesamt 271 Tage ohne Dialyse auskam. Bisher hätten Schweinenieren im menschlichen Körper höchstens etwa zwei Monate funktioniert, schreiben die Autoren um Leonardo Riella vom Massachusetts General Hospital in Boston im Fachblatt „Lancet“.
Die Funktion der Niere war jedoch begrenzt. Nach etwa sechs Monaten zeigten sich Schäden an den Blutgefäßen des Organs. Schließlich kam es zum Organversagen, und die Schweineniere musste wieder entfernt werden. Der Patient kehrte zunächst zur Dialyse zurück.
80 Tage später erhielt er eine menschliche Spenderniere. Dieses Organ funktionierte während der anschließenden sechsmonatigen Beobachtungszeit. Die behandelnden Ärzte sehen den Fall als Hinweis darauf, dass eine Xenotransplantation schwer erkrankten Menschen zumindest vorübergehend die Wartezeit auf ein menschliches Organ verkürzen könnte.
Offen ist allerdings, warum die Schweineniere letztlich versagte. Sechs Monate nach der Transplantation infizierte sich der Patient mit einem Krankenhauskeim. Deshalb reduzierten die Ärzte die Medikamente, die sein Immunsystem unterdrückten. Typische Krankheitserreger von Schweinen, die bei solchen Transplantationen ein besonderes Risiko darstellen, wurden nicht festgestellt.
Die Niere stammte von einem Schwein aus einer pathogenfreien Umgebung. Außerdem war das Erbgut des Tieres mit zahlreichen Veränderungen versehen worden, um die Verträglichkeit des Organs mit dem menschlichen Immunsystem zu verbessern. Der Patient musste umfassend überwacht werden.
Ob sich der Erfolg auf andere Patienten übertragen lässt, ist noch unklar. Das Verfahren befindet sich weiterhin in einem experimentellen Stadium und ist nach Einschätzung von Moritz Schmelzle von der Medizinischen Hochschule Hannover deutlich teurer als etablierte menschliche Transplantationen. Joachim Denner von der Freien Universität Berlin erwartet daher nicht, dass Xenotransplantationen zur Überbrückung der Wartezeit bald routinemäßig eingesetzt werden. Vielmehr könnten sich nach seiner Einschätzung künftig die Funktions- und Überlebensdauer von Schweinenieren im menschlichen Körper verlängern.
Die Informationen stammen aus einem Bericht der Süddeutschen Zeitung.