Im ZDF-Morgenmagazin ist ein Interview mit dem AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, mehrfach zugespitzt verlaufen. Moderator Andreas Wunn konfrontierte den 35-Jährigen unter anderem mit Aussagen aus dem AfD-Wahlprogramm zu ausländischen Ärzten und mit fehlenden konkreten Wirtschaftsmaßnahmen in Siegmunds 100-Tage-Programm.
Besonders kontrovers wurde die Diskussion, als Wunn aus dem Wahlprogramm der AfD zitierte. Darin werden ausländische Ärzte wegen möglicher „Sprachbarriere und kultureller Differenzen“ kritisch bewertet. Zudem wird die Qualifikation ausländischer Abschlüsse infrage gestellt. Wunn verwies darauf, dass mehr als 25 Prozent der Ärzte in Sachsen-Anhalt einen ausländischen Pass hätten.
Auf die Frage, warum diese Ärzte aus Sicht der AfD schlechter arbeiten sollten als deutsche Ärzte, ging Siegmund zunächst nicht direkt ein. Stattdessen verwies er auf den Attentäter von Magdeburg, Taleb A., der aus Saudi-Arabien stammt und Arzt gewesen sei. Wunn unterbrach den Ausweichversuch mit den Worten: „Antworten Sie auf die Frage!“
Siegmund erklärte anschließend, man müsse zwischen gut integrierten Ärzten, die Deutsch sprächen, und anderen unterscheiden. Er forderte strengere Prüfungen, die dem deutschen Staatsexamen ähnlich seien. Wunn hielt dagegen, dass es seit 2015 Fachsprachprüfungen gebe und ein Drittel der Teilnehmer durchfalle.
Der Moderator verwies außerdem auf ein Gespräch mit der Ärztekammer. Beschwerden über Ärzte seien demnach „die absolute Ausnahme“. Siegmund konnte dieser Darstellung laut dem Bericht kaum etwas entgegensetzen.
Auch bei der Wirtschaftspolitik geriet der AfD-Kandidat unter Druck. Wunn stellte fest, dass das 100-Tage-Programm der AfD dazu kaum konkrete Inhalte enthalte. Siegmund wies diese Einschätzung zurück und sprach unter anderem von einer ideologisierten Wirtschaft, mehr Freiheit für den Mittelstand und zahlreichen Insolvenzen.
Als Sofortmaßnahmen nannte Siegmund die Abschaffung eines Bereichs für Geschlechtergerechtigkeit im Wirtschaftsministerium sowie einen Kurswechsel in der Energiepolitik auf Bundesebene. Wie diese Änderungen umgesetzt werden sollten, blieb in dem Gespräch offen.
Wunn konfrontierte Siegmund zudem mit einer Äußerung des AfD-Landesvorsitzenden Martin Reichardt, der den deutschen Staat als einen „nach Dope stinkenden faulen Asi“ bezeichnet hatte. Siegmund bezeichnete Reichardt als „wunderbar“ und erklärte, dieser habe die Zustände im Land humorvoll auf den Punkt gebracht.
Auf die Frage, ob eine solche Sprache die Menschen zusammenführen könne, antwortete Siegmund, dies hänge vom Format ab. Wichtig sei, wieder miteinander zu sprechen und Gräben zuzuschütten.
Zum Ende des Interviews äußerte sich Siegmund auch zu einer möglichen Brandmauer der AfD. Die Partei wolle demnach nur regieren, wenn sie die absolute Mehrheit erreiche. Wunn fasste das Gespräch mit dem Urteil zusammen: „Sie haben sich hier selbst mehrfach widersprochen.“