Beim Deutschen Fußball-Bund verschärft sich der Streit über die geplante Reform der Regionalliga und die Rolle des Amateurvertreters. Die Konferenz der Regional- und Landesverbandspräsidenten am 7. und 8. September wurde kurzfristig verkürzt. Außerdem sollen die Geschäftsführer der Verbände nicht teilnehmen.
Nach einer überraschenden Mitteilung des Konferenz-Organisators Markus Stenger soll die Sitzung nur noch bis Montagnachmittag dauern. Auch das Rahmenprogramm und die Tagesordnung wurden deutlich reduziert. Im Mittelpunkt stehen nun zwei Themen mit erheblichem Konfliktpotenzial.
Zum einen geht es um die Interessenvertretung des Amateurfußballs durch Ronny Zimmermann. Der 1. Vizepräsident für den Amateurbereich war zuletzt im internen „Teams“-Kanal der Regional- und Landesverbandspräsidenten scharf kritisiert worden. Bayerns Verbandspräsident Christoph Kern warf ihm unter anderem Untätigkeit und mangelnde Professionalität vor, auch im Zusammenhang mit der Regionalliga-Reform.
Kern kritisierte, der Amateurbereich verliere zunehmend an Einfluss. Zimmermann, der zugleich Präsident des Süddeutschen Fußballverbands ist, weist die Vorwürfe zurück.
Der zweite Schwerpunkt ist das sogenannte Kompass-Modell. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat die Reform nach monatelangen ergebnislosen Gesprächen zur Chefsache erklärt. Geplant ist, die bisher fünf Regionalligen auf vier Staffeln zu reduzieren: Nord, Ost, West und Süd. Dadurch sollen künftig alle Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen können.
Die Vereine sollen dabei mithilfe künstlicher Intelligenz und nach geografischen Kriterien jedes Jahr neu auf die vier Staffeln verteilt werden. Gegen diesen Plan formiert sich jedoch Widerstand. Kritiker fühlen sich durch das Vorgehen des DFB übergangen. Sie bemängeln zudem den Ablauf einer eingesetzten Arbeitsgruppe, ungeklärte Zuständigkeiten und fehlende ausführliche Beratungen in der Konferenz.
Zu den Gegnern gehört auch Kern, der sich in einer Videoschalte mit Neuendorf einen emotionalen Wortwechsel geliefert haben soll. Unterstützung erhält das Kompass-Modell dagegen aus der Bundesliga. Deren zweite Mannschaften wären von der Regionalliga-Reform betroffen. Der Plan würde zudem verhindern, dass die Regionalliga Nordost aufgelöst wird.
Bei einer Abstimmung Ende Juni hatten sich die Verbände Südwest und Bayern mehrheitlich nicht für das Kompass-Modell ausgesprochen. Der Norden, Westen und Nordosten stimmten dagegen mehrheitlich dafür. Im Norden hatten sich die Vereine laut dem vorliegenden Bericht mit 61,5 Prozent für das Modell ausgesprochen.
Für die geplante Entscheidung auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag im Dezember oder Januar wird eine Zweidrittelmehrheit benötigt. Neuendorf muss daher bei der Konferenz im September noch um Unterstützung für die Reform werben.