Der Arzt und Autor Eckart von Hirschhausen sieht in der neuen Wegovy-Tablette für bestimmte Betroffene einen wichtigen Fortschritt. Der Wirkmechanismus könne für Menschen mit entsprechender medizinischer Indikation ein „Gamechanger“ sein, sagte Hirschhausen im Deutschlandfunk.
Das Medikament ist seit Anfang September in Deutschland erhältlich. Es richtet sich an Menschen mit Adipositas oder Übergewicht, die mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung haben. Für die Einnahme ist ein ärztliches Rezept erforderlich.
Gleichzeitig betonte Hirschhausen, dass die Abnehmpille die grundsätzlichen Probleme rund um Übergewicht nicht löse. Entscheidend sei vor allem die Prävention. Menschen müssten vom süßen Geschmack wegkommen, sagte der Mediziner. Gesüßte Getränke seien ein wichtiger Treiber für Adipositas – das gelte auch für Getränke mit Zuckerersatzstoffen.
Als problematisch bezeichnete Hirschhausen außerdem hochkalorisches Essen in Kitas und Kantinen. Die Gesellschaft müsse dafür sorgen, dass Kinder gar nicht erst Übergewicht entwickelten. Zudem müsse offener über das Thema gesprochen werden. Zugleich forderte er, das sogenannte „Dicken-Shaming“ zu beenden.
Hirschhausen verwies auch auf die hohen Kosten des Medikaments in Deutschland. Sollten alle Menschen mit Adipositas die Abnehmpille als Kassenleistung erhalten, würden sich die Ausgaben nach seiner Einschätzung auf 45 Milliarden Euro belaufen. In Indien koste das Arzneimittel nur einen Bruchteil. Hierzulande würden sich die Hersteller die Taschen vollmachen, sagte Hirschhausen.
Die Informationen stammen aus einem Beitrag des Deutschlandfunks, der am 3. September 2026 ausgestrahlt wurde.