Stephan-Andreas Casdorff arbeitet wieder für den „Tagesspiegel“. Das bestätigte das Medienhaus dem KNA-Mediendienst. Der frühere Chefredakteur und Herausgeber nimmt seine Tätigkeit in der Redaktion erneut auf.
Casdorff war Mitte Juni von seinen Aufgaben entbunden worden, nachdem bekannt geworden war, dass er mehrere Kommentare mithilfe künstlicher Intelligenz verfasst hatte. Die Chefredaktion hatte daraufhin entschieden, vorerst keine Texte des 67-Jährigen mehr zu veröffentlichen. Ältere betroffene Beiträge wurden bis zum Abschluss einer Prüfung von der Website genommen.
In einem von der Chefredaktion unterzeichneten Beitrag hatte Casdorff die Nutzung von KI eingeräumt. Er habe die Texte mit künstlicher Intelligenz erstellt, dies kenntlich machen müssen und sie deshalb nicht veröffentlichen dürfen. „Ich habe einen Riesenfehler gemacht, habe dem Haus geschadet und mir“, wurde er damals zitiert. Dafür habe er um Entschuldigung gebeten.
Nach Angaben einer Sprecherin des „Tagesspiegels“ hat Casdorff sein Verhalten im Umgang mit künstlicher Intelligenz selbstkritisch reflektiert. Nach Bekanntwerden des KI-Einsatzes habe es eingehende Gespräche gegeben. Casdorff habe von Beginn an eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben, und sich entschuldigt.
Zunächst soll sich Casdorff auf Moderationen für das Medienhaus konzentrieren. Zu einem späteren Zeitpunkt ist demnach auch vorgesehen, dass er gelegentlich wieder Texte schreibt.
Casdorff arbeitet seit 1999 für den „Tagesspiegel“. Von 2004 bis 2018 leitete er die Chefredaktion gemeinsam mit Lorenz Maroldt. Bis 2024 war er einer der Herausgeber der Zeitung.
Die Rückkehr erfolgt damit nach einer mehrmonatigen Unterbrechung seiner publizistischen Tätigkeit. Auslöser dafür war die Veröffentlichung von Kommentaren, bei denen der Einsatz künstlicher Intelligenz zunächst nicht kenntlich gemacht worden war.