Nach einer gezielten Störung in einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln ermitteln die Behörden wegen des Verdachts auf verfassungsfeindliche Sabotage. Unbekannte sollen Kabel über eine Oberleitung gebracht und dadurch einen Kurzschluss ausgelöst haben. Die Polizei fand in einem angrenzenden Maisfeld zudem sechs mutmaßliche Abschussvorrichtungen.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul erklärte, es bestehe ein Anfangsverdacht auf eine verfassungsfeindliche Tat. Die Ermittler prüfen nach seinen Angaben sowohl eine fremdstaatlich gelenkte Sabotage als auch einen möglichen linksextremistischen Hintergrund. Außerdem wird untersucht, ob der Vorfall mit einem Angriff auf die Stromversorgung in Brandenburg zusammenhängt.
Die Polizei war am Dienstag gegen 20 Uhr zu dem Umspannwerk des Betreibers Amprion gerufen worden. Augenzeugen hatten grelle Lichtblitze gesehen. Nach Angaben der Ermittler waren mehrere Leitungen von einem Kurzschluss betroffen. Ein Draht soll über eine Stromleitung gelegt worden sein und dadurch eine Erdung verursacht haben. Der Draht verglühte vermutlich und beschädigte einen Zaun.
Infolge der Störung mussten im Rheinischen Revier fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz genommen werden. Die Stromversorgung sei dadurch zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, erklärte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Der erste Block konnte am Mittwochmorgen wieder zugeschaltet werden. Die vollständige Wiederinbetriebnahme könnte sich jedoch bis zum Wochenende hinziehen.
Die betroffenen Blöcke verfügen zusammen über eine grundsätzliche Kraftwerkskapazität von rund 4200 Megawatt. Zum Zeitpunkt des Vorfalls speisten sie nach Angaben eines Sprechers von RWE Power etwa 3000 Megawatt in das Stromnetz ein.
Das Gelände rund um das Umspannwerk wurde weiträumig abgesperrt. Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Areal. Die gefundenen Vorrichtungen könnten nach Einschätzung der Ermittler dazu gedient haben, pyrotechnische Gegenstände und einen Draht in die Höhe zu befördern. Die Polizei in Essen führt den Einsatz.
In Brandenburg waren zuvor in einem Umspannwerk nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde mehrere unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt worden. Eine Vorrichtung soll detoniert sein. Der Betreiber sprach von einer kurzzeitigen Unterbrechung der Leitung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt dort wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung und des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.
Auch in Baden-Württemberg tauschen sich die Ermittler nach Angaben des Landeskriminalamts mit den Behörden in den betroffenen Bundesländern aus. In Reutlingen war im Juni nach einem Brand in einem Umspannwerk für etwa 40.000 Menschen zeitweise der Strom ausgefallen. Die Ermittler gehen auch dort von einer geplanten Tat aus.
Der Verband kommunaler Unternehmen forderte angesichts der jüngsten Vorfälle einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur. Die Bundesregierung will diesen Schutz mit dem im März in Kraft getretenen KRITIS-Dachgesetz verbessern. Betreiber sollen unter anderem strengere Vorgaben zu Zäunen, Zugangsbeschränkungen und der Identifizierung von Schwachstellen erfüllen.
Dieser Bericht basiert auf dem vorliegenden Ausgangsmaterial von dpa, AFP, Reuters und epd.