Eine deutsch-kosovarische Forschungspartnerschaft hat dazu beigetragen, die Zahl der Erkrankungen am Krim-Kongo-Fieber im Kosovo deutlich zu senken. In den vergangenen zehn Jahren wurden dort insgesamt fünf Fälle registriert. Im Jahrzehnt davor waren es 100 Erkrankungen.
Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen die Hyalomma-Zecke und das von ihr übertragene Krim-Kongo-Virus. Die Zecke bevorzugt warme und trockene Bedingungen und breitet sich nach Angaben der Forschenden auch in nördlicheren Regionen aus. Sie wurde bereits in Deutschland und mehreren osteuropäischen Ländern beobachtet. Der Kosovo gilt seit Längerem als Schwerpunktgebiet.
Das Krim-Kongo-Virus kann das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber auslösen. Schwere Verläufe können mit Blutungen, Organversagen und dem Tod enden. Eine Impfung oder eine spezifische Therapie gibt es nicht. Erkrankte müssen intensivmedizinisch behandelt und isoliert werden, weil sie hochansteckend sein können.
Der Beginn der deutsch-kosovarischen Partnerschaft geht auf das Jahr 2005 zurück. Der Veterinärmediziner Kurtesh Sherifi erfuhr damals aus einer Zeitung, dass im Kosovo elf Menschen am Krim-Kongo-Fieber erkrankt und fünf von ihnen gestorben waren. Nach seiner Rückkehr in den Kosovo wandte er sich an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Dort gab es Hochsicherheitslabore, geeignete Geräte und Fachleute für die Diagnostik von Viren der Risikogruppe 4.
2009 wurde die Virologin Petra Emmerich in den Kosovo geschickt und lernte Sherifi kennen. Danach entwickelte sich ein regelmäßiger Austausch von Wissen und Forschenden. Im Kosovo wurden Strukturen aufgebaut, um die Verbreitung der Zecken zu überwachen und das Virus nachzuweisen. Unterstützung erhielt die gemeinsame Arbeit ab 2013 durch das Biosicherheitsprogramm des Auswärtigen Amtes.
Zur Kooperation gehören auch der Austausch zwischen deutschen Ärzten und Klinikern im Kosovo sowie Aufklärungsarbeit. Besonders Landwirte können sich infizieren, wenn sie Zecken mit bloßen Händen von den Eutern ihrer Tiere entfernen. Infiziertes Blut kann dabei über kleine Wunden in den Körper gelangen.
Die Forschenden informieren deshalb unter anderem in Schulen über Schutzmaßnahmen. Dazu zählen zeckenabweisende Mittel, lange Hosen und feste Schuhe. Außerdem sammeln sie Zecken und untersuchen Blutproben von Menschen und Tieren auf Antikörper. Nutztiere können dabei Hinweise geben, ob das Virus in einem bestimmten Gebiet zirkuliert.
Trotz der gesunkenen Infektionszahlen rechnen die beteiligten Wissenschaftler mit einer weiteren Ausbreitung der Zecken und des Virus. In Frankreich wurden bereits mit dem Krim-Kongo-Virus infizierte Hyalomma-Zecken entdeckt, ohne dass sich dort bisher ein Mensch infiziert hat. Das gewonnene Wissen soll daher auch an Länder wie Nordmazedonien und Albanien weitergegeben werden.