Die Neugestaltung von vier Frauenfiguren am Eingang des Fahrgeschäfts Teufelsrad sorgt im Münchner Stadtrat für Streit. Zugleich erhält die städtische Gleichstellungsstelle nach Angaben der SPD-Stadträtin Paula Gundi seit Tagen massiv Hass und Drohungen.
Die Figuren tragen inzwischen Radlerhosen unter den Röcken, hochgeschlossene Oberteile und Schuhe. Bei einer Figur wurde ein zuvor nur mit einer Hawaiikette bedeckter Oberkörper durch ein Kleid ergänzt. Die Änderungen sollen nach Angaben der Betreiberin Elisabeth Polaczy die Darstellung an die Kleidung anpassen, die Frauen am Teufelsrad tatsächlich ausgegeben wird.
Hintergrund ist unter anderem die Sorge vor sogenannten Upskirting-Aufnahmen, also dem Fotografieren unter Röcken. Die Überarbeitung war zuvor im Münchner Rathaus kontrovers diskutiert worden.
Grünen-Politikerinnen kritisierten die Maßnahme als überzogen. Die Wiesn-Stadträtin Anja Berger sprach von „übertriebener Prüderie“, die Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs von einem „Verhüllungsgebot“. Auch CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl äußerte sich in ähnlicher Weise.
Die Linke im Stadtrat warf Fuchs daraufhin vor, die Arbeit der Gleichstellungsstelle öffentlich zu diskreditieren. Paula Gundi, stellvertretende Vorsitzende der städtischen Gleichstellungskommission, forderte die Stadtspitze und den Stadtrat auf, sich schützend vor die Beschäftigten zu stellen.
Auch Micky Wenngatz, frühere Vorsitzende der Kommission und ehemalige SPD-Stadträtin, kritisierte die Haltung der Grünen. Von einer Partei, die sich als feministische Kraft darstelle, hätte sie erwartet, „dass sie standhaft bleiben“.
Die Debatte geht auf einen Rundgang über das Oktoberfest im Jahr 2023 zurück. Nach Diskussionen über sexistische und rassistische Darstellungen auf Fahrgeschäften besichtigten Mitglieder der Gleichstellungskommission gemeinsam mit Vertreterinnen von Frauenorganisationen mehrere Attraktionen, darunter das Teufelsrad. Nach Darstellung von Wenngatz seien dabei mehrere problematische Darstellungen festgestellt worden. Die Politik sei fraktionsübergreifend mit Grünen, CSU und SPD frühzeitig beteiligt gewesen und habe Veränderungen mit angestoßen.
Anja Berger bestätigte ihre Teilnahme an dem Rundgang. Sie erklärte, die Gleichstellungsstelle leiste „tolle Arbeit“ und werde von ihr grundsätzlich unterstützt. In diesem Fall sei die Maßnahme jedoch „ein Tick zu viel“ gewesen.
Umstritten ist außerdem das Alter der Figuren. Im Zusammenhang mit der Debatte war von rund 80 Jahre alten Pappmaché-Figuren die Rede. Betreiberin Polaczy wies jedoch zurück, dass die Figuren aus Pappmaché bestünden. Das genaue Material kenne sie derzeit nicht. Auch das Alter könne sie nicht sicher bestätigen.
Ein historisches Foto aus vermutlich den 1950er- oder 1960er-Jahren zeigt zudem andere Figuren über dem Eingang des Teufelsrads. Darauf sind vier Frauen mit hochgeschlossenen Dirndln zu sehen. Polaczy bezeichnete die aktuelle Diskussion als „ein bissl übertrieben“ und sagte: „So wie’s jetzt ist, ist es gut.“