Heute: September 8, 2026

Politik und Wirtschaft über KI: Menschliche Verantwortung soll unersetzlich bleiben

Die zunehmende Nutzung Künstlicher Intelligenz wirft die Frage auf, welche Aufgaben und Entscheidungen weiterhin ausschließlich Menschen vorbehalten bleiben sollen. In einer BILD-Befragung äußerten sich Politiker, Unternehmenschefs, eine Investorin und ein Sportjournalist zu den Grenzen der Technologie.

Microsoft-Gründer Bill Gates sieht große Chancen in der Künstlichen Intelligenz, warnt zugleich aber davor, dass sie Millionen Arbeitsplätze überflüssig machen könnte. Die Befragten stimmen vor allem darin überein, dass KI zwar Arbeit erleichtern, aber keine menschliche Verantwortung übernehmen soll.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner betonte, KI könne auch im Parlament Aufgaben abnehmen. Entscheidungen müssten jedoch weiterhin von Menschen getroffen werden. Die Technologie sei ein Werkzeug, aber kein Gewissen. Dabei verwies sie auf das Grundgesetz, wonach Abgeordnete nur ihrem Gewissen verpflichtet seien.

Digitalminister Karsten Wildberger sieht Einsatzmöglichkeiten der KI unter anderem in Gesundheit, Wirtschaft und beim Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels. Sie könne menschliche Fähigkeiten erweitern und Entscheidungen verbessern. Verantwortung übernehmen müsse am Ende aber der Mensch.

Auch Bayer-Chef Bill Anderson sprach sich für einen klaren Wertekompass aus. „KI dient dem Menschen. Nicht umgekehrt“, erklärte er. Bei Bayer solle die Technologie nicht dazu eingesetzt werden, Arbeitsplätze zu ersetzen, sondern Beschäftigte bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Als Beispiele nannte Anderson die schnellere Entwicklung neuer Krebstherapien und widerstandsfähigere Ackerpflanzen.

Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp Jr. sieht in KI und Robotik eine Möglichkeit, künftig fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen und die Produktivität zu erhöhen. Einzelne Berufe wolle er nicht grundsätzlich von der Nutzung der Technologie ausnehmen. Wichtig sei vielmehr, dass der Mensch die Kontrolle behalte, Beschäftigte weitergebildet würden und die Menschlichkeit in Unternehmen nicht verloren gehe.

Volkswagen-IT-Vorständin Hauke Stars beschrieb KI als eine Art zusätzlichen Kollegen. Die Technologie könne Teams schneller und effizienter machen und Freiräume für Innovation schaffen. Kreativität und Erfahrung lägen jedoch weiterhin beim Menschen. Die Entwicklung, Fertigung und der Verkauf attraktiver Autos würden deshalb auch künftig federführend von Spezialistinnen und Spezialisten übernommen.

Weleda-Chefin Tina Müller hob besonders die Bedeutung von Empathie und persönlicher Zuwendung hervor. KI könne Daten analysieren und in der Medizin bei Diagnosen helfen, aber keinen Patienten menschlich begleiten. Berufe, die Herz, Hand und Kreativität erforderten, sollten ihrer Ansicht nach menschlich bleiben.

HENSOLDT-Chef Oliver Dörre zog eine klare Grenze bei Entscheidungen über Leben und Tod. KI könne Daten schneller auswerten als Menschen. Die Entscheidung über den Einsatz einer Waffe müsse jedoch immer ein Mensch treffen. Ähnliches gelte für alle Entscheidungen, die Leben verändern könnten.

Investorin Janna Ensthaler plädierte dafür, die Entwicklung der Technologie aktiv mitzugestalten. KI könne nach ihrer Einschätzung unter anderem bei der Bekämpfung von Krankheiten und der Schaffung von Wohlstand helfen. Zugleich könne sie den Blick wieder stärker auf Gefühle, Gemeinschaft und menschliche Verletzlichkeit lenken.

Sportjournalist Marcel Reif verglich den Einsatz von KI mit dem Videoschiedsrichter im Fußball. Sie sei ein hilfreiches Werkzeug, wenn sie mit menschlichem Verstand vernünftig eingesetzt werde – mehr solle sie aber nicht sein.

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