Eine gewaltige Schlammlawine hat im nepalesischen Dorf Sole zahlreiche Menschen verschüttet oder vermisst zurückgelassen. Unter den Vermissten ist auch Sumitra Poudel. Ihr Ehemann Pramod hatte sie erst im Juni geheiratet.
Wenige Minuten vor der Katastrophe soll Sumitra ihrem Mann noch gesagt haben: „Ich liebe Dich so sehr!“ Danach wurde ihr Dorf von einer Flut aus Wasser, Eis, Schlamm und Geröll getroffen. Seitdem ist ihr Mobiltelefon nicht mehr erreichbar. Ob die 25-Jährige noch lebt, ist unklar.
Auch Pramods Mutter Tulasa, sein Bruder Pradip und sein Onkel Madhav werden vermisst. Der 34-Jährige war nach Großbritannien ausgewandert und hatte sich dort mit einem Foodtruck ein neues Leben aufgebaut. Nach der Nachricht von der Katastrophe reiste er sofort nach Nepal.
Der Weg in sein Heimatdorf Sole im Distrikt Nuwakot wurde durch die Zerstörungen erheblich erschwert. Wo früher eine kurze Fahrt über eine Brücke möglich war, musste Pramod nun rund zehn Stunden zu Fuß durch die verwüstete Landschaft gehen.
In Sole standen vor der Katastrophe etwa 60 Häuser, in denen mehr als 150 Menschen lebten. Nach der Schlammlawine seien dort fast nur noch Schlamm und Geröll zurückgeblieben. Pramods Vater überlebte. Er besitzt nach den Angaben im Bericht jedoch nur noch die Kleidung, die er am Körper trägt.
Pramod sagte, er wisse nicht einmal mehr, welcher Tag sei. Dennoch wolle er die Hoffnung auf gute Nachrichten nicht aufgeben. Sein größter Wunsch sei, seinen Vater nach Großbritannien zu bringen.
Nach Angaben des nepalesischen Katastrophenschutzes gab es in Nepal zuletzt 939 bestätigte Todesfälle. In der autonomen Region Tibet meldete China 16 weitere Tote. Damit lag die Zahl der Todesopfer insgesamt bei 955. In Nepal wurden außerdem 3925 Menschen vermisst, darunter 592 ausländische Staatsbürger. Nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde waren mindestens acht Deutsche darunter.
Die Angaben und Schilderungen stammen aus einem Bericht der „BILD“.