Ein Strafgericht in Damaskus hat den früheren syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde im Staatsfernsehen verlesen. Assad wurden unter anderem vorsätzlicher Mord, Folter, willkürliche Inhaftierungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.
Auch Assads jüngerer Bruder Mahir al-Assad sowie weitere Vertreter der gestürzten Regierung erhielten Todesurteile. Ihnen wurde vorsätzlicher und geplanter Mord sowie Folter mit Todesfolge zur Last gelegt.
Baschar al-Assad war im Dezember 2024 gestürzt worden und anschließend mit seiner Familie nach Russland geflohen. Die russische Führung unter Präsident Wladimir Putin hat ihn bislang nicht an Syrien ausgeliefert. Berichten zufolge soll sich auch Mahir al-Assad nach Moskau abgesetzt haben.
Zum Tode verurteilt wurde außerdem der frühere hochrangige Sicherheitsverantwortliche Atef Nadschib. Der Cousin Assads mütterlicherseits war nach Überzeugung des Gerichts als Leiter der Sicherheitsbehörden in der syrischen Provinz Daraa für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich.
Nadschib wurden unter anderem systematischer Massenmord, die vorsätzliche Tötung von Kindern unter 15 Jahren und Folter mit Todesfolge vorgeworfen. Er war im Januar 2025, wenige Wochen nach dem Sturz der Assad-Führung, in der syrischen Hafenstadt Latakia festgenommen worden. Nadschib zählt zu den wenigen Schlüsselfiguren des früheren Regimes, die noch in Syrien sind.
In Daraa hatte 2011 der zunächst friedliche Aufstand gegen die Assad-Regierung begonnen. Jugendliche hatten regierungskritische Graffiti an eine Schulwand gesprüht und waren daraufhin festgenommen und gefoltert worden. Der Fall löste Massenproteste gegen das Vorgehen der Sicherheitskräfte aus. Danach entwickelte sich ein fast 14 Jahre andauernder Bürgerkrieg.
Vor dem Justizpalast in Damaskus versammelten sich zahlreiche Menschen. Nach der Verkündung der Todesurteile kam es zu Jubel. Auch in Daraa wurden nach Angaben von Augenzeugen Freudenbekundungen beobachtet. Einige Syrer zeigten Bilder von Menschen, deren Tod Nadschib vorgeworfen wird.
Die Urteile gegen Assad und Mitglieder seines engsten Umfelds sind die ersten nach dem Ende seiner Herrschaft. Die Übergangsregierung unter Interimspräsident Ahmed al-Scharaa will mit den Verfahren Teile der Vergangenheit aufarbeiten. Scharaas islamistische HTS-Miliz war im Dezember 2024 maßgeblich an Assads Sturz beteiligt. Die neuen Machthaber forderten Russland auf, die Assad-Brüder an Syrien auszuliefern.