Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst ist während seines dreitägigen Besuchs in der Türkei überraschend mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zusammengekommen. Das Gespräch in Ankara dauerte 50 Minuten.
Nach Angaben Wüsts ging es bei dem Treffen vor allem um die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Der CDU-Politiker sprach sich für die von der Türkei angestrebte Reform der Zollunion mit der Europäischen Union aus. Zugleich mahnte er bei der Türkei Handlungsbedarf bei der Rechtssicherheit an.
Weitere Themen waren nach Wüsts Angaben eine engere Kooperation im Rüstungsbereich und die Menschenrechtslage. Diese gilt als ein dauerhaftes Thema in den Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union. Die EU-Beitrittsverhandlungen liegen wegen Rückschritten in den Bereichen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte auf Eis.
Wüst sagte nach dem Gespräch außerdem, Erdogan habe sich für die innenpolitische Lage in Deutschland und die jüngsten Wahlergebnisse interessiert. Das Treffen war erst wenige Stunden nach Wüsts Ankunft in Ankara angekündigt worden. Regionale Regierungschefs werden in der Türkei normalerweise nicht vom Staatspräsidenten empfangen.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident reist als erster Amtsinhaber des Bundeslandes in die Türkei. Für Wüst ist es zugleich der erste persönliche Aufenthalt in dem Land. Anlass der dreitägigen Reise ist der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbe-Abkommens. Es leitete die Zuwanderung Hunderttausender türkischer Arbeitskräfte in die Bundesrepublik ein.
Wüst würdigte den Beitrag türkischer Migranten zum wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands. Bei einem Besuch in einem Henkel-Werk verwies er unter anderem auf ihre Arbeit in Stahlwerken, im Bergbau, bei Ford in Köln und im Straßenbau.
Wüst war am Morgen mit einer größeren Delegation in einem Linienflug von Düsseldorf nach Ankara gestartet. Zu seiner Begleitung gehören unter anderem eine Wirtschaftsdelegation und mehr als 30 Journalisten.
Quelle: Tagesschau Daily