Nach dem Cyberangriff auf Berliner Behörden sind offenbar auch Daten zahlreicher Bürger und Beschäftigter im Internet veröffentlicht worden. Die Hackergruppe Rhysida stellte insgesamt 5,8 Terabyte Daten mit rund 1,44 Millionen Dateien online. Ein BILD-Check zeigt, welche Personengruppen möglicherweise betroffen sind.
Ein Team der Zeitung untersuchte nach eigenen Angaben den derzeit verfügbaren Teil des sogenannten Berlin-Leaks. Dabei ging es um 982.106 Dateien und 122.977 Ordner mit einem Umfang von rund vier Terabyte. Bereits Datei- und Ordnernamen können Hinweise darauf geben, welche Inhalte und Personengruppen in den Daten enthalten sind.
Zu den möglichen Betroffenen zählen Beschäftigte von Senatsverwaltungen, des Landesdenkmalamts und eines Landesbetriebs. Auch Bewerber bei der Denkmalbehörde könnten in den veröffentlichten Daten auftauchen. Darüber hinaus finden sich Hinweise auf Berliner, gegen die seit 2020 ein Bußgeldverfahren wegen eines mutmaßlichen Umweltverstoßes lief. Betroffen sein könnten außerdem Menschen, die sich über Lärm, Müll oder Bauprojekte beschwerten oder einen Angelschein beantragten.
Ein von den Behörden als „personenbezogen“ gekennzeichneter Datenbereich umfasst 29.758 Dateien. Darin liegen Akten zu Ordnungswidrigkeiten, darunter Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen Abfall-, Verpackungs- oder Straßenreinigungsvorschriften. In einzelnen Fällen enthalten die Ordner neben Aktenzeichen und Namen auch Hinweise auf den mutmaßlichen Vorwurf.
Zu den Unterlagen gehören laut dem Bericht unter anderem Anhörungen, Bußgeldbescheide, Meldeauskünfte, Führerscheine, Zulassungsbescheinigungen, Fotos sowie Dokumente zu Ratenzahlungen und Vollstreckungen. Auch eingestellte Verfahren sind darunter. Ein Name in Verbindung mit einem Vorwurf belegt daher ausdrücklich nicht, dass die betreffende Person tatsächlich gegen Vorschriften verstoßen hat.
Auch E-Mail-Archive der Berliner Verwaltung sind Teil des Datenbestands. Eine Postfach-Sicherung enthält 1835 Outlook-Archivdateien mit zusammen rund 2,5 Terabyte. Die Archive können neben E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch Signaturen, Anhänge und Inhalte der Nachrichten enthalten. Damit könnten nicht nur die jeweiligen Postfachinhaber, sondern auch deren Kommunikationspartner betroffen sein.
Zusätzlich wurden Personalakten von mehr als 150 Beschäftigten gefunden. Sie enthalten unter anderem Krank- und Gesundmeldungen, dienstliche Beurteilungen sowie Unterlagen zu Jahresgesprächen. In den Daten der landeseigenen Berlin Energie sollen sich außerdem Gehaltsabrechnungen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Dokumente zu Kündigungsschutzverfahren befinden.
Ein weiterer größerer Bereich betrifft Bewerbungen beim Landesdenkmalamt. Er umfasst 11.866 Dateien zu Stellenbesetzungsverfahren, Initiativbewerbungen, Praktika und Volontariaten. Teilweise tragen die Ordner Klarnamen.
Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit rät möglichen Betroffenen, Passwörter zu ändern, Konto- und Kartenbewegungen zu kontrollieren und besonders auf Phishing-Versuche zu achten. Bei einem Verdacht auf Kartenmissbrauch soll der Sperr-Notruf 116 116 genutzt werden.
Wer eine Betroffenheit vermutet, kann sich bei den zuständigen Senatsverwaltungen erkundigen. Der Senat will identifizierte Betroffene abhängig vom jeweiligen Risiko informieren. Die Datenschutzbeauftragte teilte mit: „Sie werden im Fortgang der Analysen von der betreffenden Senatsverwaltung kontaktiert. Dies kann unter Umständen noch einige Zeit dauern.“ Die Angaben und die Einschätzung zu den möglichen Betroffenen stammen aus dem BILD-Check zum veröffentlichten Datenbestand.