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Drei Jahre nach dem Erdbeben: Marokkos Wiederaufbau erreicht nicht alle Betroffenen

Drei Jahre nach dem schweren Erdbeben in Marokko leben einige Betroffene weiterhin in Zelten oder warten auf staatliche Unterstützung. Während im Dorf Ighermane viele Häuser wieder aufgebaut wurden, kämpfen Menschen in anderen Orten noch immer um Hilfe.

Das Erdbeben vom 8. September 2023 erschütterte vor allem die Region Al Haouz. Mehr als 2900 Menschen starben, über 5500 wurden verletzt. Die Zerstörungen waren besonders in abgelegenen Bergdörfern des Hohen Atlas groß.

Im Dorf Ighermane hat sich die Lage für viele Einwohner verbessert. Nach Angaben der örtlichen Entwicklungsvereinigung sind rund 90 Prozent des Ortes wiederaufgebaut. Von etwa 150 Familien erhielten 114 staatliche Unterstützung. Viele mussten jedoch zusätzlich eigenes Geld investieren.

Auch Mohamed Ait Belaid und seine Frau konnten in ein neues Haus ziehen. Der 72-Jährige hatte nach dem Erdbeben zunächst in einem Zelt gelebt. Für den Wiederaufbau erhielt er nach eigenen Angaben 80.000 Dirham staatliche Unterstützung. Weitere 100.000 Dirham bezahlte er selbst.

Im rund 40 Kilometer entfernten Azgour ist der Wiederaufbau deutlich langsamer. Larbi Ait Jelloulat lebt dort weiterhin mit den Folgen der Zerstörung. Sein Haus wurde beim Erdbeben zerstört, staatliche Unterstützung hat er nach eigenen Angaben bislang nicht erhalten. Er müsse nachweisen, dass er tatsächlich in der Region gewohnt habe, sagte er.

In Azgour bekamen nach Angaben Jelloulats rund 76 Familien Hilfe für den Wiederaufbau. Weitere 56 Familien warteten noch darauf. Bei den Familien, die ihre Häuser an einem anderen Ort neu errichtet haben, gebe es zudem Probleme mit Wasser- und Stromanschlüssen.

Nach Angaben der Entwicklungsagentur für den Hohen Atlas wurden bislang 54.425 Häuser neu gebaut oder instand gesetzt. Mehr als 3000 weitere befanden sich noch im Bau. Die Regierung habe insgesamt mehr als 7,2 Milliarden Dirham an betroffene Familien ausgezahlt. Darin seien Wiederaufbauhilfen und monatliche Nothilfezahlungen enthalten.

Der Wiederaufbau in den Bergregionen wird durch die schwierige Erreichbarkeit vieler Orte erschwert. Baumaterialien müssen teils über unbefestigte Wege transportiert werden, während Schutt abtransportiert werden muss. Auch die Versorgung mit Wasser und Strom ist problematisch. Wegen der Gefahr von Erdrutschen müssen manche Dörfer und Baustellen verlegt werden.

Trotz der Fortschritte gingen bei der Nationalen Koordinierungsstelle für die Opfer des Erdbebens von Al Haouz Beschwerden von mehr als 3000 Familien ein, die nach eigenen Angaben keinerlei staatliche Unterstützung erhalten haben. Als Grund für den Ausschluss wird unter anderem genannt, dass manche Betroffene zum Arbeiten in andere Landesteile gezogen waren und deshalb in ihren Ausweisdokumenten ein anderer Wohnort vermerkt ist.

Betroffene forderten bei Demonstrationen vor dem Parlament in Rabat Entschädigungen und neue Unterkünfte. Einige hoffen nun auf eine Lösung nach der für den 23. September angesetzten Parlamentswahl. Andere, darunter Familien in der Region Amizmiz, leben weiterhin in Zelten, weil sie keine Unterstützung für den Wiederaufbau erhalten haben.

Der Beitrag gehört zur Berichterstattung der Deutschen Welle und wurde ursprünglich auf Arabisch verfasst.

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