Die neuen Sanktionsdrohungen der USA gegen Iran führen bei dessen Handelspartnern zu unterschiedlichen Reaktionen. China hält an wirtschaftlichen Beziehungen fest, Indien versucht zwischen Teheran und Washington zu balancieren. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihren Iran-Handel dagegen vorerst deutlich eingeschränkt.
US-Finanzminister Scott Bessent kündigte an, die iranische Regierung wirtschaftlich unter Druck setzen zu wollen, bis sie einem Friedensabkommen mit US-Präsident Donald Trump zustimme. Washington prüft demnach unter anderem die Beschlagnahmung von Offshore-Konten und Luxusimmobilien, die der Islamischen Revolutionsgarde zugerechnet werden.
Ende August startete die US-Regierung die „Operation Economic Outcast“. Dabei wurden rund 60 Personen, Unternehmen und Schiffe mit Sanktionen belegt. Zugleich droht Washington ausländischen Firmen und Finanzinstituten mit Sekundärsanktionen, falls sie die iranische Wirtschaft unterstützen.
Als konkreten Schritt schlug das US-Finanzministerium vor, dem Finanzinstitut Banque Misr UAE den Zugang zu US-Korrespondenzbanken zu entziehen. Die USA werfen dem Institut vor, zwischen 2024 und 2026 Transaktionen im Umfang von rund 1,8 Milliarden Dollar für Unternehmen abgewickelt zu haben, die mit Irans Schattenbankensystem in Verbindung stehen sollen. Der Ausschluss ist bislang nur vorgeschlagen.
China ist Irans wichtigster Ölabnehmer. Nach Angaben des Berichts importierte das Land 2025 durchschnittlich rund 1,4 Millionen Barrel iranisches Öl pro Tag. Die Lieferungen sanken zuletzt von 785.000 Barrel im Juni und 823.000 im Juli auf vorläufig 534.000 Barrel im August. Als Grund wird neben dem Sanktionsdruck auch die erneute US-Blockade iranischer Schiffe und Häfen genannt.
Unabhängige chinesische Raffinerien kaufen weiterhin iranisches Öl, häufig über Zwischenhändler und alternative Zahlungswege. Peking weist die US-Sanktionen als einseitige und extraterritoriale Maßnahmen zurück. Die Sinologin Marina Rudyak von der Universität Heidelberg bewertet die derzeitige Auseinandersetzung vor allem als rhetorisches Kräftemessen. Eine Änderung der chinesischen Haltung könnte demnach wahrscheinlicher werden, wenn europäische oder andere wichtige Märkte chinesischen Unternehmen den Zugang erschwerten.
Indien verfolgt einen vorsichtigeren Kurs. Der Handel mit Iran ging von rund 17 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 2018/19 auf etwa 1,63 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 2025/26 zurück. Strategisch bleibt Iran für Indien dennoch wichtig. Dazu zählen der Hafen Chabahar, der den Zugang nach Afghanistan und Zentralasien ermöglicht, sowie der geplante Internationale Nord-Süd-Transportkorridor.
Bei einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Masud Peseschkian Ende August bekräftigte Premierminister Narendra Modi den Wunsch nach engeren Wirtschaftsbeziehungen und einer Diversifizierung des Handels. Zugleich verwies Indien auf Diplomatie, regionale Stabilität und freie Schifffahrt. Neu-Delhi bemüht sich außerdem um eine Lösung für den Hafen Chabahar, nachdem eine US-Ausnahmegenehmigung ausgelaufen ist.
Die Vereinigten Arabischen Emirate stehen unter einem besonders starken wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Druck. Iran bezog 2024 Waren im Wert von rund 21 Milliarden Dollar aus den VAE. Ein großer Teil wurde über Dubai weiterexportiert. Am 19. August kündigten die Emirate jedoch an, den Handel sowie kommerzielle und finanzielle Transaktionen mit Iran bis auf Weiteres einzustellen.
Die Entscheidung wurde laut Bericht nicht allein mit den US-Sanktionsdrohungen begründet. Die VAE reagierten demnach auch auf die verschärfte Sicherheitslage und Iran zugeschriebene Raketenangriffe. Teheran bestreitet die Verantwortung für den betreffenden Angriff.
Wie wirksam die US-Strategie ist, hängt damit stark von den jeweiligen Abhängigkeiten ab. China kann sich den größten Widerstand leisten, Indien versucht seine Beziehungen zu beiden Seiten aufrechtzuerhalten. Die VAE reduzieren ihre Verbindungen zu Iran unter dem Druck der USA und angesichts eigener Sicherheitsrisiken.