Michael Mendl ist tot. Der Schauspieler kam erst nach 25 Jahren auf der Bühne zum Film, entwickelte sich dort aber zu einem vielseitigen und vielfach ausgezeichneten Charakterdarsteller.
Sein Filmdebüt gab Mendl Anfang der Neunzigerjahre in „Leise Schatten“. Später beschrieb er den Einstieg als großes Glück. Neben charmanten Figuren übernahm er immer wieder schwere und böse Rollen. Selbst sah er sich vor allem als „Charakterheld“.
In den Neunzigerjahren war Mendl unter anderem in der Krimiserie „Der Alte“ zu sehen. Außerdem spielte er in dem „Tatort“-Fall „Die Neue“ aus dem Jahr 1989 den Koslowski. Darin wurde seine Figur von der damals noch jungen Kommissarin Lena Odenthal, gespielt von Ulrike Folkerts, verdächtigt.
Einem internationalen Publikum wurde Mendl durch die deutsche Netflix-Serie „Dark“ bekannt. Dort verkörperte er Bernd Doppler, den ehemaligen Chef des örtlichen Kernkraftwerks. Die Serie wurde von Jantje Friese und Baran bo Odar geschaffen.
Zu seinen besonders bekannten Rollen gehörte außerdem Willy Brandt im ARD-Zweiteiler „Im Schatten der Macht“. An seiner Seite spielte Matthias Brandt den DDR-Spion Günter Guillaume. Mendl bezeichnete die Darstellung des früheren Bundeskanzlers später als die Rolle seines Lebens.
Auch in historischen Stoffen übernahm der Schauspieler markante Figuren. In Oliver Hirschbiegels „Der Untergang“ aus dem Jahr 2004 spielte er den Artillerie-General Helmuth Weidling. Zwei Jahre später war er in „Karol Wojtyła – Geheimnisse eines Papstes“ als Papst Johannes Paul II. zu sehen. In Joseph Vilsmaiers „Die Gustloff“ verkörperte er 2007 den Kapitän Johannsen.
Für seine Arbeit wurde Mendl mehrfach ausgezeichnet. Für „Im Schatten der Macht“ erhielt er die Goldene Kamera, für „14 Tage lebenslänglich“ den Bayerischen Filmpreis. Für sein Lebenswerk wurde er zudem mit dem Götz-George-Preis geehrt.
Insgesamt spielte Mendl mehr als 200 Film- und Fernsehrollen. Über seinen Beruf sagte er: „Wir haben nicht Hammer und Säge, um etwas zusammenzubauen. Sondern wir haben nur uns selbst.“