Tausende Menschen haben am Samstag in Berlin gegen hohe Mieten und für eine Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne demonstriert. Zwei Wochen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus stand die Wohnungskrise damit erneut im Mittelpunkt des Wahlkampfs.
Zu der Großdemonstration hatte das Bündnis „Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ gemeinsam mit Verbänden, Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Initiativen aufgerufen. Die Veranstalter hatten 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet. Nach ihren Angaben beteiligten sich letztlich gut 11.000 Menschen.
„Her mit den Wohnungen, runter mit den Mieten“, skandierten die Demonstrierenden in der Innenstadt. Aus verschiedenen Berliner Stadtteilen machten sich sogenannte Zubringer-Demonstrationen auf den Weg zum Roten Rathaus. Die Teilnehmenden kamen mit Fahrrädern, öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß.
Unter den Protestierenden waren Studierende, Familien, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Sie verbanden die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum mit dem Ruf nach einer Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Beim Volksentscheid von 2021 hatten 59 Prozent der Berlinerinnen und Berliner für die Enteignung großer Wohnungsunternehmen gestimmt.
Die Wohnungen von Vonovia, Adler, Deutsche Wohnen und weiteren Konzernen sollen nach den Vorstellungen der Demonstrierenden vergesellschaftet werden. Die Forderung wird im Wahlkampf unter anderem von der Berliner Linken mit ihrer Kandidatin Elif Eralp sowie von den Grünen unterstützt.
Darüber hinaus verlangten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen bundesweiten Mietendeckel, eine stärkere Regulierung großer Vermieter sowie ein Verbot von Eigenbedarfskündigungen und Zwangsräumungen. Auch die Stärkung der Mieterrechte und die Bekämpfung der Wohnungslosigkeit in Berlin waren Themen der Kundgebung.
Wie schwierig die Wohnungssuche in der Hauptstadt sein kann, zeigt das Beispiel von Janne und ihrem Partner. Weil ihre Zweizimmerwohnung mit einem weiteren Kind zu klein wird, suchen sie seit einem halben Jahr nach einer neuen Bleibe. Nach eigenen Angaben haben sie bereits rund 70 Bewerbungen verschickt und bislang vier Wohnungen besichtigt. Von landeseigenen Wohnungsunternehmen erhalten sie demnach nur etwa in jedem fünften Fall eine Rückmeldung.
Auch Mieterinnen und Mieter aus dem Berliner Quartier Q21 beteiligten sich an der Debatte. Das Quartier umfasst rund 450 Wohnungen. Eine Bewohnerin berichtete auf der Bühne von einer gemeinsamen Klage gegen die Vermieter. Die Mieterinnen und Mieter wollen vor Gericht zu viel gezahlte Mieten zurückfordern.
Nach einer Auftaktkundgebung zog der Protestzug über die Straße Unter den Linden bis zur Friedrichstraße und über die Französische Straße zurück zum Rathaus. Die Polizei begleitete den Zug. Auf Plakaten und Fahnen standen unter anderem Forderungen wie „Miethaie enteignen“ und „Wohnen ist Grundrecht“.
Die Veranstalter und Redner riefen dazu auf, dass sich Mieterinnen und Mieter gemeinsam gegen Wohnungskonzerne organisieren. Das Thema betrifft in Berlin besonders viele Menschen: 85 Prozent der Berliner Bevölkerung wohnen zur Miete. Die Initiatoren bezeichneten die Wahl deshalb als „Mietenwahl“.