Nach der Veröffentlichung gestohlener Daten aus der Berliner Verwaltung warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor einer erhöhten Bedrohungslage. Aus dem Datenabfluss könnten sich „verschiedene Risiken für die Betroffenen und letztlich für die Gesellschaft“ ergeben, erklärte ein Sprecher.
Als mögliche Folge nennt das BSI gezielte Phishing-Angriffe. Menschen, die mit betroffenen Personen oder Institutionen in Kontakt standen, sollten daher besonders aufmerksam sein. Betroffene Stellen sollen prüfen, ob ihre Daten veröffentlicht wurden und um welche Informationen es sich handelt. Gegebenenfalls müssten auch interne Abläufe angepasst werden.
Besondere Risiken sieht das BSI im politischen Raum, insbesondere im Vorfeld von Wahlen. Möglich seien sogenannte Hack-and-Leak-Operationen. Dabei könnten gestohlene Dokumente, E-Mails oder andere Unterlagen zu einem für die Angreifer günstigen Zeitpunkt veröffentlicht und in einen falschen Zusammenhang gestellt werden. In Berlin wird am 20. September ein neues Abgeordnetenhaus gewählt.
Dass die Hacker mit ihrer Veröffentlichung eine politische Absicht verfolgen, wird nach Einschätzung des BSI allerdings nicht vermutet. Die Tat sei „ausschließlich finanziell motiviert“ gewesen.
Auch Informationen über kritische Infrastrukturen, Unternehmen und Organisationen könnten die Bedrohungslage erhöhen. Das hänge von der Sensibilität der veröffentlichten Daten ab, erklärte das Bundesamt.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sagte der „Bild“-Zeitung, derzeit werde geprüft, welche Informationen abgeflossen seien. Die Betroffenen sollten möglichst schnell erreicht werden. Wegner hatte Ende August öffentlich gemacht, dass Berlin nach dem zuvor bekanntgewordenen Cyberangriff erpresst werde.
Die Hackergruppe Rhysida forderte nach Angaben aus dem Bericht ein Lösegeld von 30 Bitcoin, umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Der Berliner Senat erklärte, nicht zahlen zu wollen. Nach dem Ablauf einer Frist veröffentlichte die Gruppe ein Datenpaket mit einer Größe von 5,8 Terabyte im Darknet. Nach eigenen Angaben erbeuteten die Kriminellen rund 1,44 Millionen Dateien.
Unter den Daten sollen sich mehr als 5000 Personalakten, Bußgeldvorgänge und Gehaltsabrechnungen befinden. Außerdem wurden vertrauliche Unterlagen aus Bundesratsausschüssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung genannt. Die Hacker behaupteten zudem, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erlangt zu haben. Ob diese Angaben zutreffen, ist bislang unklar.
Die Bundesregierung verfolgt die Informationen und Ermittlungen zum Datenabfluss nach eigenen Angaben genau. Das BSI, das Bundeskriminalamt und das Bundesamt für Verfassungsschutz gleichen ihre Erkenntnisse fortlaufend ab. Datensysteme des Bundes seien nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen.