Die Regierungsarbeit in Thüringen wird für Ministerpräsident Mario Voigt schwieriger. Zehn Abgeordnete der BSW-Landtagsfraktion um Landeschefin Wolf erklärten am Freitag in Erfurt ihren Austritt aus der Partei. CDU, SPD und Wolf bekannten sich dennoch zur Fortsetzung ihrer gemeinsamen Koalition.
Die Abgeordneten begründeten ihren Schritt mit der Einmischung der BSW-Bundespartei unter ihrer Gründerin Sahra Wagenknecht und deren fehlender Abgrenzung zur AfD. Der aus dem BSW ausgetretene Digitalminister Schütz sagte im Deutschlandfunk, die Entscheidung solle ein Zeichen der Stabilität setzen.
Nach Darstellung von Schütz habe die Parteiführung in Berlin mit ihrem „Flirt mit der AfD“ die Arbeit der BSW-Abgeordneten in Thüringen destabilisiert. Das habe man nicht länger hinnehmen können. Wie die künftige Mitarbeit der ausgetretenen Abgeordneten in der Regierungskoalition in Erfurt aussehen werde, solle nun beraten werden.
Die BSW-Landtagsfraktion soll in ihrer derzeitigen Stärke von zwölf Abgeordneten zunächst bestehen bleiben. Bereits zuvor war ein Abgeordneter aus der Partei sowie drei weitere aus Partei und Fraktion ausgetreten. Damit haben laut dem Bericht in dieser Woche insgesamt 13 von 15 Landtagsabgeordneten dem BSW den Rücken gekehrt.
Das Regierungsbündnis verfügte ursprünglich über 44 der 88 Sitze im Thüringer Landtag. Für Beschlüsse, etwa zum Landeshaushalt, arbeitete die Koalition deshalb mit der Linkspartei zusammen. Ministerpräsident Voigt betonte, der vereinbarte Konsultationsmechanismus gelte auch weiterhin.
Die Linke sieht die bisherige politische Grundlage dagegen als beendet an. Die Parteichefs Maurer und Plötner sowie Fraktionschef Schaft forderten neue und feste Absprachen im Parlament. Voigt und seine „Restkoalition“ müssten erklären, wie es im Landtag weitergehen solle und auf welche Weise die Landesregierung künftig parlamentarische Mehrheiten erreichen wolle.
Die AfD forderte erneut Neuwahlen. AfD-Fraktionschef Höcke kündigte an, seine Fraktion werde die Auflösung des Landtags beantragen. Die AfD stellt die größte Fraktion im Parlament und arbeitet laut dem Bericht bereits seit längerer Zeit auf einen Sturz Voigts hin. Zuletzt hatte sie erfolglos um das BSW geworben.
Die Nachricht wurde am 5. September 2026 im Programm des Deutschlandfunks gesendet.