Schauspielerinnen und Schauspieler erleben immer wieder, dass Zuschauer ihre Film- und Serienrollen mit der eigenen Person verwechseln. Daraus entstehen teils kuriose, teils belastende Situationen.
Ein aktuelles Beispiel ist Dylan Gadeke. Er spielte über längere Zeit Peter Pan im Disneyland Park in Kalifornien. Vor einigen Tagen äußerte er sich auf seinem TikTok-Kanal zu einer Frau, die seine Auftritte über Jahre hinweg regelmäßig und aus nächster Nähe besucht hatte.
Im Internet war deshalb der Eindruck entstanden, die Frau könne eine unangenehme Stalkerin sein. Gadeke widersprach dieser Darstellung. Sie habe lediglich die Figur Peter Pan kennenlernen wollen, nicht den Schauspieler selbst. „Sie hat keine Grenze überschritten“, sagte er in seinem Video. Zugleich räumte Gadeke ein, dass es für ihn unangenehm gewesen sei, so stark von ihr und anderen Menschen beobachtet zu werden.
Auch Reese Witherspoon wurde außerhalb des Filmsets mit ihrer Rolle verbunden. Als sie zeitweise als Geschworene tätig war, ging es in einem Prozess um einen Hundebiss in Beverly Hills. Als die Jury eine Vorsitzende bestimmen wollte, fiel die Wahl auf Witherspoon. Ein Mitglied der Jury soll angenommen haben, sie habe Jura studiert.
Witherspoon erklärte daraufhin, dass sie lediglich eine Anwältin gespielt habe – und zwar in dem Film „Natürlich blond“ aus dem Jahr 2001.
Ähnliche Erwartungen richteten sich an Darsteller der Krankenhausserie „Emergency Room“, die bis 2009 lief. Noah Wyle berichtete in einer Talkshow von einem Vorfall in einem Restaurant. Er und andere Mitglieder des Serienteams trugen während einer Drehpause noch ihre Arztkittel. Als der vierjährige Sohn eines Crewmitglieds eine Pommes verschluckte, wussten die Schauspieler demnach nicht, wie sie helfen sollten.
Erst eine Servicekraft griff ein und half dem Jungen mit einem kleinen Stoß. Die Gäste im Restaurant hätten sich offenbar gewundert, warum mehrere vermeintliche Ärzte nicht eingriffen. Wyle sagte später: „Ich glaube, damit war die Frage beantwortet, dass keiner von uns das Zeug dazu hat, das wirklich beruflich zu machen.“
Die Vermischung von Rolle und Persönlichkeit kann auch in offenen Hass umschlagen. Anna Gunn spielte in „Breaking Bad“ Skyler White, die Ehefrau der von Bryan Cranston verkörperten Figur Walter White. Gunn schrieb 2013 in der „New York Times“ über die Feindseligkeit, die ihr wegen der Rolle entgegenschlug. Sie verwies unter anderem auf eine Facebookgruppe mit dem Titel „I hate Skyler White“ und auf eine Morddrohung eines Online-Kommentators.
Jason Statham geht dagegen gelassen damit um, vor allem als Actiondarsteller wahrgenommen zu werden. 2017 sagte er, er sei damit einverstanden, immer wieder eine ähnliche Rolle zu spielen. Auf die Frage nach anderen Angeboten nannte er als Beispiel einen Mathematiker, der eine schwere Scheidung durchmacht. „Nein, sowas bekomme ich nie angeboten“, sagte er. Außerdem erklärte Statham: „Eigentlich bin ich gar kein Schauspieler.“
Der Beitrag gehört zur Süddeutschen Zeitung (SZ).