Der Iran sucht angesichts verschärfter US-Sanktionen nach neuen Wegen für internationale Geschäfte. Dabei rückt Babak Sandschani erneut in den Mittelpunkt. Der Milliardär war wegen eines Korruptionsfalls zum Tode verurteilt worden, wurde 2025 aus dem Gefängnis entlassen und kehrte anschließend in die Geschäftswelt zurück.
Die USA haben unter Präsident Donald Trump ihre bislang härtesten Sanktionen gegen den Iran verhängt. Betroffen sind unter anderem Öl, Banken, Gold, Schifffahrt, Luftfahrt und bestimmte Technologiebereiche. Zunehmend nehmen die US-Behörden auch Kryptowährungen ins Visier. Der Iran soll digitale Währungen für Geldtransfers, Handelsgeschäfte und ölbezogene Transaktionen nutzen.
Nach Angaben der Fars News Agency, die den iranischen Revolutionsgarden nahesteht, stammt ein Vorschlag zur Absicherung von Öllieferungen durch die Straße von Hormus von Sandschani. Kryptowährungen könnten dabei eine Rolle spielen. Sie funktionieren außerhalb des traditionellen Bankensystems und der dollarbasierten Finanzordnung.
Sandschani gilt als eine der bekanntesten Figuren eines Netzwerks aus Geschäftsleuten und Unternehmen, das dem Iran über Jahrzehnte bei der Umgehung internationaler Sanktionen geholfen haben soll. Personen in diesen Netzwerken genießen laut dem Bericht Unterstützung einflussreicher Akteure innerhalb der Islamischen Republik. Im Gegenzug sollen sie Teile ihrer Gewinne an mächtige Unterstützer weitergeben.
Der im Iran geborene Journalist Behzad Ahmadinia bezeichnet Sandschani als Teil einer wirtschaftlichen Elite mit innovativen Ideen. Das Regime scheine sich stärker auf Fachleute zu stützen, die effizienter arbeiteten und wichtige Positionen übernehmen könnten.
Berichten zufolge kontrollierte Sandschani einst ein Firmenimperium mit rund 60 Unternehmen. Diese Gesellschaften waren unter anderem in Malaysia, Tadschikistan, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig. Viele von ihnen wurden später von den USA sanktioniert. Während der Präsidentschaft von Mahmud Ahmadinedschad soll Sandschani über dieses Netzwerk Milliarden Barrel iranisches Öl auf dem Schwarzmarkt verkauft haben. Außerdem soll er Waren wie Flugzeuge in den Iran importiert haben.
2016 warf die iranische Justiz ihm vor, rund 2,6 Milliarden US-Dollar an Öleinnahmen nicht an den Staat zurückgezahlt zu haben. Nach einem viel beachteten Prozess in einem der größten Korruptionsfälle des Landes wurde er zum Tode verurteilt. Sandschani bestritt die Vorwürfe jahrelang und verhandelte mit den iranischen Behörden.
Eine weitere wichtige Figur in den Sanktionsumgehungsnetzwerken war der türkisch-iranische Geschäftsmann Reza Zarrab. Er wurde 2016 während eines Aufenthalts in den USA festgenommen. Die US-Behörden warfen ihm Geldwäsche und Verstöße gegen die Sanktionen gegen den Iran vor. Zarrab kooperierte später mit den Ermittlern und wurde aus der Haft entlassen. Berichten zufolge lebt er heute unter einer neuen Identität in den USA.
Der Ökonom Jamshid Assadi sagte der Deutschen Welle, Personen wie Zarrab und Sandschani würden innerhalb des iranischen Systems gefördert und verfügten über Verbindungen zu verschiedenen Machtzentren. Wie viele Milliarden Dollar tatsächlich über Sandschanis Netzwerk flossen und wie viel davon er persönlich verdiente, ist dem Bericht zufolge weiterhin unklar.
Im Februar 2024 berichteten iranische Medien, Vermögenswerte im Zusammenhang mit Sandschani seien aus dem Ausland in den Iran zurückgeführt worden. Sein Vermögen habe inzwischen den Wert seiner offenen Verbindlichkeiten überstiegen. Kurz nach seiner Entlassung unterzeichnete eines seiner Unternehmen einen Vertrag im Wert von mehreren Milliarden Dollar mit dem staatlichen iranischen Eisenbahnunternehmen.
Im Januar 2026 setzten die USA Sandschani erneut auf ihre Sanktionsliste. Im Juli weiteten sie die Maßnahmen auf weitere Unternehmen und Geschäftspartner aus, die mit ihm in Verbindung stehen sollen. Kurz zuvor hatte Sandschani im Westen Teherans ein Café und eine Konditorei eröffnet. Die Behörden schlossen das Geschäft bereits am folgenden Tag.
Ob die neuen US-Sanktionen die Netzwerke der iranischen Schattenwirtschaft tatsächlich erheblich schwächen können, bleibt offen. Nach Einschätzung von Assadi sind viele traditionelle Wege der Sanktionsumgehung inzwischen bekannt und für Teheran schwieriger zu nutzen. Zugleich habe der Iran über Jahrzehnte gelernt, sich an wirtschaftlichen Druck anzupassen und neue Wege zu suchen. Die Rückkehr Sandschanis deutet dem Bericht zufolge darauf hin, dass Teheran erneut auf Geschäftsleute setzt, die bereits in früheren Phasen wirtschaftlicher Isolation eine wichtige Rolle gespielt haben.