Eine Woche nach der verheerenden Sturzflut im Himalaja suchen Rettungskräfte in Nepal weiter nach Vermissten und Überlebenden. Die Zahl der Todesopfer ist nach Angaben des nepalesischen Katastrophenschutzes auf 1204 gestiegen. Mehr als 4600 Menschen gelten weiterhin als vermisst.
Viele betroffene Gebiete sind nach wie vor nicht zugänglich. Nach Angaben des Außenministeriums in Kathmandu zeichnet sich inzwischen jedoch ein klareres Bild der Schäden ab. Betroffen sind demnach unter anderem Häuser, Straßen, Brücken, Wasserkraftanlagen und weitere kritische Infrastruktur. Genaue Schadenssummen wurden nicht genannt.
Besonders schwierig gestaltet sich die Suche in den Tunnelsystemen zerstörter Wasserkraftanlagen. Dort werden noch Hunderte Arbeiter vermutet. Nepalesische Rettungskräfte erhalten Unterstützung von Spezialisten aus China, Indien und Südkorea.
Nach Angaben der nepalesischen Armee konnten Suchmannschaften bis zu 150 Meter tief in einen Tunnel der Wasserkraftanlage Langtang vordringen. Die Eingänge mehrerer anderer Anlagen konnten bislang nicht geöffnet werden. Sie sind von Schlamm und Trümmern bedeckt.
Nach Angaben der Abteilung für Elektrizitätsentwicklung wurden elf Wasserkraftwerke, die entweder in Betrieb oder im Bau waren, sowie eine Solaranlage von den Wasser- und Geröllmassen erfasst. Der Verband unabhängiger Stromerzeuger Nepals hatte zuvor von zwölf betroffenen Wasserkraftprojekten gesprochen.
Während die Bergungsarbeiten fortgesetzt werden, beginnen zahlreiche Familien vermisster Menschen mit symbolischen Bestattungen. Viele Leichen konnten bisher nicht identifiziert werden. Auf der tibetischen Seite meldete China zuletzt 16 Todesopfer.
Auch Deutschland stellt Nepal Hilfsgüter zur Verfügung. Über das EU-Katastrophenschutzverfahren sollen unter anderem Planen, Wasserfilter und Moskitonetze geliefert werden. Bei diesem Verfahren können sich betroffene Länder an die Europäische Union wenden.
Bundesumweltminister Carsten Schneider bezeichnete die Sturzflut als Beleg für die verheerenden Folgen der Erderwärmung. Der Himalaja gehöre zu den Regionen, die besonders stark vom Klimawandel betroffen seien, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich forderte er eine schnellere Senkung der CO₂-Emissionen und eine bessere internationale Zusammenarbeit zur Vorbereitung auf künftige Schäden.
Der vorliegende Bericht basiert auf Material von SZ/dpa.