Mehrere KI-Chatbots können offenbar Inhalte russischer Staatsmedien bereitstellen, obwohl deren Verbreitung in der Europäischen Union verboten ist. Das geht aus einer Untersuchung der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hervor.
Für die Tests stellten Versuchspersonen den Anwendungen unter anderem Anfragen nach Nachrichten und Presseschauen von Medien wie „Russia Today“ (RT) und „Sputnik“. ChatGPT und Gemini lieferten daraufhin entsprechende Inhalte.
Einige Chatbots wiesen zwar darauf hin, dass die Internetseiten der Medien gesperrt seien. Die gewünschten Informationen stellten sie laut der Untersuchung jedoch trotzdem über alternative Quellen bereit, darunter russische Online-Netzwerke.
Nur eine der geprüften Anwendungen hielt sich den Angaben zufolge konsequent an die geltenden Sanktionen. Meta AI lehnte die Anfragen mit dem Hinweis ab, dass dies derzeit nicht möglich sei.
OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, erklärte, man nehme die Ergebnisse des Berichts ernst und prüfe die darin erhobenen Vorwürfe.
Reporter ohne Grenzen kritisierte, dass die europäischen Sanktionen unter diesen Bedingungen ihr Ziel nicht vollständig erreichten. Die Organisation fordert deshalb eine bessere Regulierung von KI-Anwendungen.
Im Juli hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Videos des russischen Staatssenders RT auch auf frei zugänglichen Internetseiten nicht verbreitet werden dürfen.
Die Untersuchung zeigt nach Einschätzung von RSF, dass gesperrte Inhalte über KI-Anwendungen und alternative Quellen weiterhin zugänglich gemacht werden können. Die Organisation sieht darin eine Lücke bei der Durchsetzung des Verbots.