Venezuelas Parlament hat ein milliardenschweres Öl-Abkommen mit den USA gebilligt. Auch die Armee unterstützt die Vereinbarung. Die Zustimmung erfolgte kurz vor der angekündigten Ankunft des US-Energieministers Chris Wright in Venezuela.
Der Präsident der venezolanischen Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, erklärte nach einer Abstimmung per Handzeichen, die Unterstützung des binationalen Energieabkommens sei angenommen worden. Weitere Einzelheiten zum Umfang der parlamentarischen Abstimmung wurden zunächst nicht genannt.
Die US-Regierung hatte zuvor Details zu dem geplanten Geschäft veröffentlicht. Eine zentrale Rolle soll demnach das Unternehmen North American Blue Energy Partners (NABEP) übernehmen. Nach Angaben des Weißen Hauses räumt NABEP dem US-Verteidigungsministerium einen Anteil von 35 Prozent an seiner Muttergesellschaft ein.
Darüber hinaus soll das US-Außenministerium das Recht erhalten, 20 Prozent des aktuell und künftig geförderten Öls zum Selbstkostenpreis zu kaufen. Für die übrigen 80 Prozent der Produktion soll es ein Vorkaufsrecht bekommen. Außerdem ist ein Vetorecht der US-Regierung bei der Ernennung von Mitgliedern des Verwaltungsrats vorgesehen.
Eine Mehrheit der Verwaltungsratsmitglieder muss laut den veröffentlichten Vereinbarungen aus US-Staatsbürgern bestehen. NABEP bezeichnet sich selbst als zweitgrößten Ölproduzenten in Venezuela. Das Unternehmen rechnet mit Investitionen von fast 100 Milliarden US-Dollar in die venezolanische Ölindustrie. Für den venezolanischen Staat werden demnach Steuereinnahmen von mehr als 209 Milliarden US-Dollar erwartet.
Das Abkommen soll die venezolanische Ölproduktion deutlich erhöhen und zur Energiesicherheit der USA beitragen. Wegen des schlechten Zustands der venezolanischen Ölindustrie dürfte es nach Einschätzung von Experten jedoch Jahre dauern, bis zusätzliche Fördermengen spürbar werden.
Die Ölindustrie ist für die venezolanische Regierung die wichtigste Einnahme- und Devisenquelle. Venezuela verfügt nach Schätzungen über rund 303 Milliarden Barrel Öl und damit über die größten Reserven weltweit. Bei den Vorkommen handelt es sich vor allem um Schweröl, das mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden muss.
Die derzeitige venezolanische Ölproduktion liegt bei etwa einer Million Barrel pro Tag. Vor rund 20 Jahren waren es dem Bericht zufolge fast drei Millionen Barrel täglich.