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Mladics Tod zeigt die ungelöste Spaltung Bosniens

Der Tod des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladic hat in Bosnien und Herzegowina sowie in Serbien gegensätzliche Reaktionen ausgelöst. Während ihn viele Serben als Nationalhelden verehren, sehen Opfervertreter in jeder Würdigung eine Beleidigung für die Familien der Opfer.

Mladic, ehemaliger Kommandeur der Armee der bosnischen Serben, starb am 27. August 2026 in einem Gefängniskrankenhaus in Den Haag. Seine Verurteilung wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen war zu diesem Zeitpunkt seit fast einem Jahrzehnt rechtskräftig.

In Serbien und in der Republika Srpska, einer der beiden halbautonomen Einheiten Bosnien und Herzegowinas, wurde öffentlich um Mladic getrauert. Führende Vertreter der Republika Srpska riefen dazu auf, sich auf öffentlichen Plätzen zu versammeln und Kerzen „für das Seelenheil des Generals“ anzuzünden.

Milorad Dodik, der trotz seines Rückzugs vom Amt des Präsidenten der Republika Srpska weiterhin als einflussreichste politische Figur im serbisch dominierten Teil Bosniens gilt, bezeichnete Mladics Tod als „Mord“. Er deutete zudem ein organisiertes Vorgehen an, das auf einen tödlichen Ausgang gezielt habe. Auch der Bürgermeister von Banja Luka, Drasko Stanivukovic, bezeichnete Mladic als Symbol „einer Zeit und eines Kampfes“.

Aus Belgrad erhielt die Verehrung staatliche Unterstützung. Der serbische Justizminister kündigte ein Begräbnis mit höchsten staatlichen und militärischen Ehren an. Präsident Aleksandar Vucic warf dem Haager Tribunal „unzivilisiertes Verhalten“ vor, weil Mladic seine letzten Tage nicht außerhalb der Gefängniszelle habe verbringen dürfen.

Der frühere Innenminister Aleksandar Vulin stellte Mladic zudem in eine Reihe mit anderen serbischen Nationalhelden. Die NGO Europäische Bewegung Serbien warnte dagegen, ein Staatsbegräbnis käme einer „institutionellen Verherrlichung“ gleich. Sie forderte die Regierung auf, die Pläne aufzugeben.

In der Föderation Bosnien und Herzegowina, in der Bosniaken und Kroaten die Mehrheit bilden, fielen die Reaktionen deutlich anders aus. Außenminister Elmedin Konakovic erklärte, Serbien entscheide selbst, ob es Mladic als Helden behandle oder seine Verbrechen dem serbischen Volk zuschreibe. Vertreter von Opfern und Überlebenden betonten, jede Verherrlichung Mladics sei eine direkte Beleidigung für die Angehörigen seiner Opfer.

Auch die Europäische Kommission kritisierte die angekündigte Ehrung. Die Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher widerspreche den grundlegendsten europäischen Werten und habe weder in Mitgliedstaaten noch in Beitrittskandidatenländern einen Platz.

Der Bosnienkrieg endete 1995 mit dem Dayton-Abkommen. Der Vertrag überführte die damaligen politischen und militärischen Machtverhältnisse in die Verfassungsordnung des Landes und schuf unter anderem die Republika Srpska. Eine umfassende Aufarbeitung der Vergangenheit wurde jedoch nicht durch einen entsprechenden Mechanismus ergänzt.

Das Abkommen etablierte ein komplexes politisches System mit zwei Entitäten und einem Distrikt sowie insgesamt 14 Regierungen und Parlamenten auf staatlicher, Entitäts- und Kantonsebene. In diesem Umfeld ist ethnische Identität eng mit politischer Macht verbunden. Die Leugnung oder Relativierung von Kriegsverbrechen kann dadurch als politisches Instrument eingesetzt werden.

Bosnien verfügt zwar über Gesetze gegen die öffentliche Leugnung, grobe Verharmlosung oder Rechtfertigung von Völkermord sowie gegen die Verherrlichung verurteilter Personen. Diese Vorschriften werden jedoch uneinheitlich durchgesetzt. Serbien besitzt kein entsprechendes Gesetz.

Der vorliegende Beitrag gehört zur politischen Berichterstattung über die Folgen des Bosnienkriegs und die weiterhin ungelöste gesellschaftliche Spaltung in der Region.

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