Jan „Monchi“ Gorkow, Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet, hat in der Talkshow „Hart aber fair“ über die politische Stimmung in Ostdeutschland gesprochen. Fünf Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kritisierte er vor allem eine aus seiner Sicht verbreitete negative Haltung und warnte vor einem dauernden Ost-West-Gegensatz.
„Man darf nicht die ganze Zeit rumjammern!“, sagte Gorkow in der von Louis Klamroth moderierten Sendung. Es gebe zwar genügend Probleme, Deutschland lebe aber nicht in Verhältnissen wie Bangladesch. Die Menschen hätten vielmehr Glück gehabt, hier geboren zu sein – unabhängig davon, ob im Osten oder im Westen. Für diese Aussage erhielt der Sänger Applaus.
Auch der wiederkehrenden Kritik am Westen im Wahlkampf widersprach Gorkow. Der Blick richte sich seiner Ansicht nach zu häufig auf das Negative. Als Beispiel nannte er seine Eltern: Seine Mutter habe einen Betrieb mit neun Beschäftigten geführt, sein Vater einen mit 30. Im Osten gebe es viele Menschen, die anpackten und sich auch für demokratische Anliegen einsetzten, sagte der Musiker.
Gorkow sprach außerdem über die Sorgen vieler Menschen, die nach der Wiedervereinigung Vermögen aufgebaut hätten. Früher sei ihnen der Kommunismus „eingeprügelt“ worden, nach der Wende hätten sie erstmals Kapital aufbauen und etwas vererben können. Nun hätten manche Angst, dieses Erbe wieder zu verlieren.
Mit Blick auf Mecklenburg-Vorpommern beschrieb der Sänger eine stark alternde Gesellschaft. Er selbst habe punktuell ebenfalls Ängste, wolle sich aber nicht dauerhaft auf das Ost-West-Thema einlassen. „Wenn diese nationalen Jammerlappen so rumheulen, alles ist schlecht: Das ist unerträglich!“, sagte Gorkow laut dem vorliegenden Beitrag.
Die hohen AfD-Umfragewerte in seiner Heimatstadt Jarmen bei Greifswald stellte er ebenfalls zur Diskussion. Er sehe dort nicht 54 Prozent Idioten, sondern verwies auf Menschen, die sich vor Ort engagierten. Sein Vater habe mit seiner Rente einen Kulturverein gegründet. Außerdem habe die örtliche Bevölkerung kürzlich mit rund 200 Menschen die Fertigstellung eines Kreisverkehrs gefeiert.
Gorkow sagte, er freue sich, kein Politiker zu sein. Zugleich wünsche er sich, dass die AfD von der Macht ferngehalten werde. Nach seinen Angaben sei die Partei in 719 von 724 Gemeinden seines Bundeslandes stärkste Kraft geworden. Für Parteien sei vor allem die Zeit vor Wahlen wichtig, für die Bevölkerung jedoch die Zeit danach. „Die schlechten Tage, die kommen sowieso, aber die guten, die muss man sich immer selber schaffen“, sagte der Sänger zum Abschluss.