Der DAX ist mit deutlichen Verlusten in den September gestartet. Bis zum frühen Nachmittag verlor der deutsche Leitindex 0,9 Prozent und fiel auf 26.013 Punkte. Im Vormittagshandel hatte das Minus zeitweise 1,3 Prozent betragen. Damit lag der DAX zwischenzeitlich klar unter der Marke von 26.000 Punkten.
Die Entwicklung folgt auf ein neues Rekordhoch: Am Freitag hatte der Index noch 26.618 Punkte erreicht. Nun belasten mehrere Faktoren gleichzeitig die Aktienmärkte. Dazu zählen vor allem steigende Ölpreise, neue Inflationssorgen sowie die Erwartung höherer Leitzinsen.
Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent stieg wieder auf mehr als 92 Dollar je Barrel. Hintergrund sind die jüngsten Angriffe im Iran-Krieg. Die höheren Energiepreise verstärken die Befürchtung, dass die Inflation weiter zunehmen könnte. In der Eurozone liegt sie derzeit bei 3,3 Prozent.
Auf die hohe Inflation müssen die Zentralbanken reagieren. An den Märkten wird inzwischen nahezu sicher mit einer Anhebung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank im September gerechnet. Höhere Zinsen können Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Anlagen weniger attraktiv machen.
Zusätzliche Nervosität gibt es am Anleihemarkt. Die Kurse länger laufender Anleihen sinken seit Monaten, in den vergangenen fünf Handelstagen hat sich diese Bewegung jedoch beschleunigt. Gleichzeitig sind die Renditen gestiegen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte 3,36 Prozent und damit ein neues mehrjähriges Hoch.
Seit mehr als 15 Jahren seien die längerfristigen Zinsen nicht mehr so hoch gewesen, heißt es im Marktbericht. Als Gründe werden die erwartete Inflation und die wachsende Sorge über eine steigende Staatsverschuldung genannt. Höhere Inflationserwartungen mindern die künftige Kaufkraft der Anleihegläubiger. Deshalb verlangen Anleger höhere Zinsen. Wegen des zunehmenden Ausfallrisikos müssen Staaten ebenfalls höhere Renditen bieten.
Die Zins- und Inflationssorgen hatten den Aktienmarkt bereits länger belastet. In den vergangenen Monaten wurden sie jedoch häufig von der Technologierally rund um den Boom bei künstlicher Intelligenz überlagert. Zuletzt nahm die Nervosität an den Technologiebörsen wieder zu. Der Nasdaq 100 kommt unter starken Schwankungen seit drei Monaten per saldo nicht mehr voran.
Auch in China zeigt die Technologierally laut Marktbericht teils besorgniserregende Ausmaße. Die Börsengänge des Chipunternehmens CXMT und des Roboterbauers Unitree hatten dort zuletzt für Aufsehen gesorgt. Das Börsendebüt der Internetplattform Shein in Hongkong verlief dagegen enttäuschend.