Die SPD kämpft in Deutschland um ihre politische Bedeutung. Im Superwahljahr 2026 drohen der Partei in zwei Bundesländern Verluste nach jahrzehntelanger Regierungszeit. In zwei weiteren Ländern liegen die Sozialdemokraten laut aktuellen Umfragen nur noch im einstelligen Bereich.
In fünf der 16 Bundesländer werden in diesem Jahr neue Landesparlamente gewählt. Drei dieser Wahlen finden erst im Herbst statt. Die ersten beiden Landtagswahlen stehen bereits im März an. Besonders im Blick stehen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Auch auf Bundesebene kommt die SPD seit längerer Zeit nur noch auf Werte zwischen 13 und 16 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte sie rund 16 Prozent. Der Leiter des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, bezeichnete die Lage der Partei danach als „existenzbedrohend“.
Damit ist die SPD weit von den Ergebnissen früherer Jahrzehnte entfernt. In ihren besten Zeiten konnte sie fast jeden zweiten Wähler in Deutschland erreichen. Die Partei, die einst vor allem als Interessenvertretung der Arbeiterschaft gegründet worden war, hat einen großen Teil ihrer traditionellen Wählerschaft verloren.
Die klassische Arbeiterschaft hat sich gesellschaftlich verändert. Gut verdienende Industriearbeiter gehören inzwischen vielfach zur Mitte der Gesellschaft. Nach einer Forsa-Analyse vom November 2025 würden unter einfachen Arbeitern und Arbeitslosen noch neun Prozent die SPD wählen. Eine im Februar 2025 veröffentlichte Erhebung von infratest dimap kam dagegen zu dem Ergebnis, dass 38 Prozent der Arbeiter die AfD wählen würden.
Viele frühere SPD-Anhänger wechselten zudem zur Linkspartei. Diese entstand auch aus der Unzufriedenheit mit der Sozialpolitik der SPD unter dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder. Unter Schröder setzte die Partei ab 2003 mit der „Agenda 2010“ weitreichende Reformen des Sozialstaats durch. Dazu gehörten Kürzungen staatlicher Leistungen, eine Lockerung des Kündigungsschutzes und der Ausbau des Niedriglohnsektors.
Die Reformen stießen innerhalb der SPD auf heftigen Widerstand. 2005 gründeten prominente ehemalige SPD-Mitglieder und Gewerkschafter eine eigene linke Partei. Innerhalb von zehn Jahren verlor die SPD fast die Hälfte ihrer Wähler, unter anderem an die Grünen und die CDU.
Zusätzliche Probleme entstanden durch die häufigen Koalitionen mit der Union. Von 2005 bis 2021 regierten CDU, CSU und SPD über weite Strecken gemeinsam. Die Sozialdemokraten mussten zahlreiche Kompromisse eingehen. Für viele Wähler wurde dadurch der Unterschied zwischen Union und SPD schwerer erkennbar.
Der Versuch einer Neuausrichtung nach links brachte in den Koalitionsregierungen nur begrenzte Ergebnisse. Forderungen nach mehr Sozial- und Steuerpolitik ließen sich gegenüber den jeweiligen Koalitionspartnern kaum durchsetzen.
Auch die Ampel-Regierung unter SPD-Kanzler Olaf Scholz belastete das Ansehen der Partei. In der Koalition mit Grünen und FDP kam es wiederholt zu Streit und Blockaden. Das Bündnis zerbrach vorzeitig. Anschließend ging die SPD erneut als Juniorpartner eine Koalition mit CDU und CSU ein.
Bis 2027 will die SPD ein neues Grundsatzprogramm erarbeiten. Darin soll linke Sozialpolitik eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig ist die Partei erneut darauf angewiesen, sich in einer Koalition mit der Union zu behaupten.
Die CDU unter Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz ist wieder konservativer ausgerichtet und nach rechts gerückt. Wegen leerer Staatskassen und einer schwachen Wirtschaft werden Einschnitte bei den Sozialausgaben sowie grundlegende Reformen bei Rente, Gesundheit und Pflege gefordert.
Die SPD hält Reformen ebenfalls für notwendig, fordert aber, dass sich die Lage für niemanden verschlechtern dürfe. Sie setzt deshalb auf höhere Steuern und Sozialabgaben für Reiche. In Umfragen konnte die Partei zuletzt leicht von Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit profitieren. Die Union lehnt Steuererhöhungen jedoch ab.
Ein offener Konflikt zwischen den Koalitionspartnern soll vor den ersten Landtagswahlen vermieden werden. Nach den Wahlen dürfte der Druck auf die SPD wachsen, wieder ein klareres eigenes Profil zu zeigen und sich stärker von der Union abzugrenzen.