Für das Volkswagen-Werk in Hannover gibt es nach dem Auslaufen der aktuellen Produkte Anfang der 2030er-Jahre bislang keine wirtschaftliche Nachfolgeproduktion. Das sagte Finanzvorstand Arno Antlitz laut einer Mitteilung bei einer Sonderbetriebsversammlung. Nach heutiger Einschätzung betrifft die fehlende Perspektive insgesamt vier deutsche Standorte.
Rund 5500 Beschäftigte nahmen nach Angaben des Betriebsrats an der nicht öffentlichen Versammlung in Hannover teil. Betriebsratschef Stavros Christidis forderte, den Transporter wie vertraglich vereinbart auch nach 2031 in Hannover zu bauen. Zugleich warf er dem Konzern strategische Fehlentscheidungen und eine unzureichende Kommunikation vor.
IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger verlangte eine tragfähige Perspektive für das Werk über das Jahr 2030 hinaus. Sollte der Vorstand an seinem bisherigen Kurs festhalten, werde die Gewerkschaft den Konflikt nicht scheuen. Damit verschärft sich der Streit zwischen Konzernführung, Arbeitnehmervertretung und Gewerkschaft über die Zukunft des Standorts.
Volkswagen will europaweit Kapazitäten für rund 500.000 Fahrzeuge abbauen. Andernfalls entstehe dauerhaft ein Kostennachteil von etwa 1,5 Milliarden Euro pro Jahr, erklärte Antlitz demnach. Die Fabrikkosten in Hannover seien trotz Verbesserungen weiterhin deutlich höher als in anderen europäischen Werken.
Als Belastungen für den Konzern nannte der Finanzvorstand unter anderem US-Zölle, den Absatzrückgang in China und den wachsenden Wettbewerb chinesischer Hersteller in Europa. Volkswagen will die Kosten senken und seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Konzernchef Oliver Blume hat weitere Sparmaßnahmen angekündigt und bis zu 50.000 Stellenstreichungen in Aussicht gestellt.
Neben Hannover stehen auch die VW-Werke in Emden und Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm ab 2030 vor einer unsicheren Zukunft. Werksschließungen seien für Volkswagen jedoch die teuerste und letzte Lösung, betonte Antlitz. Sollte eine Nachfolgeproduktion nicht möglich sein, wolle der Konzern neue Perspektiven für Beschäftigung und industrielle Wertschöpfung entwickeln. Alle Standorte sollten nach fairen Kriterien die gleiche Chance erhalten.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies forderte ein tragfähiges Zukunftskonzept. „Werksschließungen und massenhafte Entlassungen können nicht die Lösung sein“, sagte der SPD-Politiker. Blume bezeichnete die Lage des Konzerns als „mehr als kritisch“. Volkswagen mache zwar Gewinn, verdiene aber zu wenig, um damit die Zukunft zu finanzieren. Die bisherigen Einsparungen reichten nach seinen Worten nicht aus.