Tausende Menschen haben in Belgrad an der Beisetzung des wegen Völkermords verurteilten ehemaligen bosnisch-serbischen Armeechefs Ratko Mladić teilgenommen. Unter den Gästen waren mehrere Minister der serbischen Regierung, der russische Botschafter in Serbien und der frühere Präsident der Republika Srpska, Milorad Dodik.
Die Trauerfeier fand am Montag in der St.-Luka-Kirche statt. Nach dem Gottesdienst trugen Soldaten den Sarg ins Freie. Dort warteten zahlreiche Menschen, die die Straßen rund um die Kirche säumten. Anschließend setzte sich der Trauerzug zum nahe gelegenen Friedhof Topčider in Bewegung.
Mladić wurde dort neben seiner Tochter beigesetzt. Sie hatte sich 1994 während des Bosnienkriegs das Leben genommen. Nach Angaben aus mehreren Berichten soll sie sich aus Scham über die Verbrechen ihres Vaters das Leben genommen haben.
Viele der Trauergäste waren Kriegsveteranen und junge Männer. Einige schwenkten Fahnen mit dem Gesicht des Generals, außerdem waren Flaggen der bosnisch-serbischen Teilrepublik Republika Srpska zu sehen. Auf einem Banner vor der Kirche wurde Mladić als „Held“ begrüßt. Die Menge rief während der Beisetzung mehrfach: „Held! Held!“
Die Europäische Union kritisierte die Feierlichkeiten als Verherrlichung eines Kriegsverbrechers. Serbien strebt eine Mitgliedschaft in der EU an.
Der serbische Präsident Aleksandar Vučić, der nach eigenen Angaben aus Termingründen nicht an der Beisetzung teilnahm, wies den Vorwurf einer staatlichen Verherrlichung zurück. Die Trauerfeier sei von Mladićs Familie organisiert worden, sagte er. Der Staat werde lediglich für die Sicherheit der Veranstaltung sorgen.
Auch der Verband der Mütter von Srebrenica verurteilte die Beisetzung. Er bezeichnete sie als „Schande“ und forderte internationale Institutionen zum Handeln auf. Die Beerdigung drohe zu einer großen faschistischen Kundgebung zu werden, erklärte der Verband im Onlinedienst X.
Ratko Mladić war am 27. August im Alter von 84 Jahren in einem Krankenhaus im niederländischen Den Haag gestorben. Dort verbüßte er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995.
Mladićs Name ist insbesondere mit dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verbunden. Bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando stürmten damals die UN-Schutzzone. Dabei wurden etwa 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet.