Die AfD hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nach den ersten Prognosen deutlich mehr als 40 Prozent erreicht und liegt damit klar vorn. Für die seit 24 Jahren regierende CDU zeichnet sich ein schwerer Rückschlag ab. Wer das Land künftig regieren wird, ist zunächst offen.
Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla feierten das Ergebnis am Wahlabend in Magdeburg. Weidel bezeichnete das Resultat als „klaren Regierungsauftrag“ für ihre Partei. Zudem sagte sie voraus, Bundeskanzler Friedrich Merz werde noch vor Weihnachten abgelöst.
Chrupalla wertete das Ergebnis ebenfalls als Signal gegen den Kanzler. Merz mache großspurige Ankündigungen und habe gegenüber Russland unnötig eskaliert, sagte der AfD-Co-Vorsitzende. Zugleich räumte er ein, selbst nicht mit einem derart klaren Ergebnis gerechnet zu haben.
Die AfD wird vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. Ihre Wahlparty fand im Alten Theater statt. Besucher und Journalisten wurden vor dem Einlass mit Spürhunden kontrolliert, Taschen wurden zweimal überprüft. Nach Angaben des vorliegenden Berichts der Deutschen Welle wurden außerdem 1800 Polizisten aus anderen Bundesländern nach Sachsen-Anhalt geschickt.
Für die CDU zeichnete sich ein besonders schlechtes Abschneiden ab. Die Partei verlor ihre Position als stärkste Kraft, die sie mehr als zwei Jahrzehnte gehalten hatte. Ministerpräsident Sven Schulze stellte sich am Abend dem Ergebnis und sagte: „Das ist Demokratie und die Menschen sind heute zur Wahl gegangen.“ Schulze hatte erst Anfang des Jahres den langjährigen Regierungschef Reiner Haseloff abgelöst, der nicht erneut kandidierte.
Eine absolute Mehrheit der AfD erschien nach den ersten Hochrechnungen jedoch kaum erreichbar. Zugleich schlossen die anderen Parteien aus, Siegmund zum Ministerpräsidenten zu wählen. Eine wichtige Rolle könnte deshalb dem Bündnis Sahra Wagenknecht zukommen. Nach einigen Hochrechnungen lag die Partei knapp im Landtag, wobei zunächst offenblieb, ob sie auch im endgültigen Ergebnis vertreten sein würde.
Die Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern sprach von einem „schwarzen Tag“ für Sachsen-Anhalt. Sie verwies dabei auf mögliche Folgen des Wahlergebnisses für das Land und seine Bevölkerung. Im Wahlkampf hatte die AfD unter anderem angekündigt, abgelehnte Asylbewerber vom ersten Tag an in großem Umfang abzuschieben.
Die SPD war nach den Prognosen sicher im Landtag vertreten. Generalsekretär Tim Klüssendorf hielt eine Mehrheit ohne die AfD weiterhin für möglich. Wenn es eine solche Mehrheit gebe, müsse sie gemeinsam von allen im Landtag vertretenen Parteien gebildet werden, sagte er.
Auch die Grünen schafften nach den ersten Prognosen den Einzug in den Landtag, obwohl ihnen zuvor ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde vorausgesagt worden war. Parteichef Felix Banaszak erklärte, angesichts der starken AfD könne er nicht einfach feiern. Der Ausgang der Wahl war damit auch nach dem ersten Prognoseabend mit erheblichen politischen Unsicherheiten verbunden.