Die Vorzugsaktie von Volkswagen hat am 4. September deutlich zugelegt und zeitweise die Spitze im deutschen Leitindex DAX übernommen. Am Nachmittag lag das Papier fast sechs Prozent im Plus. Auch andere Aktien aus dem Volkswagen- und Autosektor waren gefragt.
Auslöser war die Einigung des VW-Aufsichtsrats auf ein Sanierungskonzept für den angeschlagenen Konzern. Die Vereinbarung war am Vorabend überraschend zustande gekommen. Im Vorfeld hatten die Interessen von Kapitaleignern, Beschäftigten und Politik teilweise weit auseinandergelegen.
Auch die VW-Stammaktien legten zu. Die Titel sind nicht im DAX enthalten und befinden sich nur zu knapp neun Prozent im Streubesitz. Die Aktien der Porsche SE, über die die Familien Porsche und Piech den Wolfsburger Autobauer kontrollieren, gewannen im MDAX etwas mehr als drei Prozent.
Die Anleger reagierten damit mit Vorschusslorbeeren auf den Kompromiss. Analysten des Bankhauses Metzler bezeichneten das Ergebnis als „positive Überraschung“. Offenbar habe sich die Unternehmensleitung weitgehend durchsetzen können. Die Kosten für die geplante Restrukturierung schätzen die Analysten auf bis zu zehn Milliarden Euro.
Die Deutsche Bank bewertete die Einigung als pragmatischen Kompromiss und nicht als grundlegende Richtungsänderung. Zugleich beseitige sie eine der größten Sorgen der Investoren: die Frage, ob Volkswagen schwierige Entscheidungen zur Bewältigung seiner Probleme überhaupt treffen könne.
Auf dem Konzern lasten hohe Produktionskosten, US-Zölle und ein rückläufiges Geschäft in China. Zudem fällt Volkswagen der Wechsel vom Verbrennungsmotor zum Elektroauto schwer. Nach den bisherigen Plänen stehen vier Werke zur Disposition. Insgesamt sollen 50.000 Stellen wegfallen, etwa die Hälfte davon in Deutschland.
Viele zentrale Fragen sind jedoch weiterhin offen. Unklar ist insbesondere die Zukunft der VW-Werke in Emden, Zwickau und Hannover sowie des Audi-Standorts in Neckarsulm. Beobachter dürften daher darauf achten, ob der Konzern für die Standorte andere Nutzungsmöglichkeiten jenseits der bisherigen Autoproduktion findet.
„Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt“, sagte VW-Großaktionär Wolfgang Porsche. Auch die Rolle der Eigentümerfamilien bleibt offen. Bis zuletzt hatte Volkswagen Dividenden gezahlt: Für das Jahr 2025 waren es 5,26 Euro je Vorzugsaktie und 5,20 Euro je Stammaktie.
Der DAX lag am Mittag zugleich leicht im Plus und behauptete sich über der Marke von 26.000 Punkten. Für weitere Bewegung wurden neue US-Arbeitsmarktdaten erwartet, die für die Zinspolitik der US-Notenbank von Bedeutung sind.