Die Zahl der in Deutschland lebenden Flüchtlinge ist im ersten Halbjahr 2026 um rund 20.000 auf etwa 3,5 Millionen gesunken. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Zuvor hatte die „Neue Osnabrücker Zeitung“ darüber berichtet.
Als Gründe für den Rückgang nennt die Bundesregierung Abschiebungen, Ausreisen und Einbürgerungen. Von den insgesamt 3,507 Millionen Flüchtlingen hatten rund 438.000 Menschen einen unsicheren oder ungeklärten Aufenthaltsstatus. Das entspricht 12,5 Prozent. Die übrigen verfügten demnach über ein Aufenthaltsrecht oder einen anderen Schutzstatus.
Besonders deutlich ging die Zahl der neu ankommenden Schutzsuchenden aus der Ukraine zurück. Im Juni beantragten nach Angaben des Innenministeriums noch 3919 Ukrainer Schutz in Deutschland.
Gleichzeitig wurden im ersten Halbjahr 31.662 Ausreisen von Ukrainern registriert. Insgesamt nahm die Zahl der in Deutschland lebenden Ukraine-Flüchtlinge seit Jahresbeginn deshalb nur um 20.857 zu. Im gesamten Jahr 2025 hatte der Zuwachs noch bei rund 88.000 gelegen. Derzeit leben etwa 1,35 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland.
Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Linken, Clara Bünger, kritisierte dennoch die Pläne der Bundesregierung für neu eingereiste Ukraine-Flüchtlinge. Diese sollen künftig Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten und damit nicht mehr nach den bisher geltenden regulären Sozialleistungssystemen unterstützt werden.
Bünger forderte, stärker auf die Integration von Geflüchteten in Arbeit und Gesellschaft zu setzen. Weitere Gesetzesverschärfungen und eine Ausweitung von Abschiebungen seien aus ihrer Sicht der falsche Schwerpunkt. Zudem kritisierte sie die Migrationspolitik der Europäischen Union und verwies auf Todesfälle entlang der Fluchtrouten über das Mittelmeer.
Parallel dazu beraten mehrere EU-Staaten über sogenannte „Return Hubs“ außerhalb der Europäischen Union. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sollte dazu am Freitag in Kopenhagen mit den für Migration zuständigen Ministern aus Dänemark, den Niederlanden, Österreich und Griechenland zusammentreffen. Auch EU-Innenkommissar Magnus Brunner sollte teilnehmen.
In den geplanten Zentren könnten Menschen untergebracht werden, deren Asylanträge in Europa abgelehnt wurden und die ausreisen müssen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sollte das Treffen die letzte Vorbereitungsphase für die Umsetzung der Pläne einleiten. Vertreter der beteiligten Staaten hatten bereits in Ruanda über mögliche Abschiebezentren beraten.