Der niedersächsische Landtag befasst sich mit der tödlichen Gewalttat in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) will den Innenausschuss über den Stand der Ermittlungen informieren. Dem Ausschuss gehört auch Deniz Kurku (SPD) an, dessen Schwiegermutter Sylvia S. im Zusammenhang mit dem Fall unter Verdacht steht.
Bei der Tat Ende Juni waren in einem Besprechungsraum der Einrichtung sechs Menschen getötet worden. Unter den Opfern waren drei Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung sowie drei Vertreter des Jugendamts. Es handelte sich um vier Männer und zwei Frauen.
Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt gegen die 65-jährige Sylvia S. wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord in sechs Fällen. Nach der Tat soll sie den Fluchtwagen gefahren haben. In dem Mercedes-AMG soll sich auch der 45-jährige Fatih G. befunden haben. Polizeibeamte stoppten das Fahrzeug mit Schüssen auf die Reifen.
Fatih G. wurde in Untersuchungshaft genommen. Nach Angaben aus dem Fall erdrosselte er sich am 21. Juli in seiner Zelle mit einem Stück Bettlaken. Sylvia S. befindet sich dagegen weiterhin auf freiem Fuß. Als Grund wurde mitgeteilt, dass kein dringender Tatverdacht gegen sie bestehe.
Kurku ist neben seiner Tätigkeit als SPD-Abgeordneter auch Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe in Niedersachsen. Als Mitglied des Innenausschusses könnte er während der Sitzung vertrauliche Informationen zum Ermittlungsstand erhalten. Nach Angaben des Sprechers von Landtagspräsidentin Hanna Naber kann Kurku an der Sitzung teilnehmen. Falls der Ausschuss vertraulich tagt, dürfen die anwesenden Abgeordneten die Inhalte grundsätzlich nicht an Dritte weitergeben.
Die Ermittler prüfen nach den vorliegenden Angaben auch die Verbindung zwischen Sylvia S. und Fatih G. Demnach soll sie kurz vor der Tat den Mercedes auf sich umgemeldet haben. Bereits vier Jahre zuvor habe sie einen Wagen von Fatih G. auf ihren Namen zugelassen. Die Ermittler gehen deshalb von einem langjährigen Vertrauensverhältnis zwischen beiden aus.
Bei der Durchsuchung der Wohnung von Sylvia S. wurden außerdem drei Mobiltelefone und eine einzelne SIM-Karte in einem Zip-Beutel gefunden. Zeugen berichteten zudem, dass sie vor der Einrichtung nervös auf und ab gegangen sei. Ob sie von den Plänen zur Tat wusste, ist nach dem vorliegenden Material offen.