Der russisch-amerikanische Unternehmer Konstantin Sokolov steht an der Spitze des neuen US-Investitionsfonds TRIPP+. Das Finanzierungsinstrument soll Infrastrukturvorhaben im Südkaukasus und in Zentralasien unterstützen – darunter den geplanten Transitkorridor zwischen Aserbaidschan und dessen Exklave Nachitschewan durch armenisches Gebiet.
Sokolov war in der Region bislang kaum bekannt. Der 52-Jährige wanderte im Alter von 21 Jahren aus Russland in die USA aus und gründete in Chicago die Investmentfirma IJS Investments. Mitte Juli wurde er zum Leiter des Fonds berufen, der in den USA unter dem Namen Trans-Caspian Enterprise Fund registriert ist.
TRIPP+ verfügt zunächst über ein Kapital von mehr als 200 Millionen US-Dollar. Die Mittel stammen vom US-Außenministerium und sollen Investitionen in den Ländern des Südkaukasus und Zentralasiens ermöglichen. Nach Angaben des Berichts ist die Summe als Untergrenze für weitere Investitionen gedacht.
Das Projekt TRIPP wird auch als „Trump-Route“ bezeichnet. Es sieht einen Korridor vor, der Aserbaidschan über armenisches Territorium mit Nachitschewan verbinden soll. Die Infrastrukturvorhaben sind Bestandteil eines Friedensdeals zwischen Baku und Jerewan, der im August 2025 unter Vermittlung der USA unterzeichnet wurde. Anfang Juni schlossen Washington und Jerewan zudem ein Rahmenabkommen über die Zusammenarbeit an dem Projekt.
Experten sehen in dem Korridor einen Bestandteil der US-Strategie, eine Handelsverbindung zwischen Europa und der Region zu schaffen. Dabei sollen bestehende Routen über Russland oder den Iran umgangen werden.
Sokolov war bereits vor seiner Ernennung in Armenien wirtschaftlich aktiv. 2024 übernahm er Viva Armenia, den größten Telekommunikationsanbieter des Landes. Nach einer strategischen Teilverstaatlichung expandierte er weiter. Firmen aus seinem Umfeld kauften zudem die armenische Tochtergesellschaft des russischen Telekommunikationskonzerns Rostelekom.
Zu seinen Geschäften zählt außerdem der Erwerb der Kupfer-Molybdän-Lagerstätte Teghut. Das Bergwerk verfügt laut dem Bericht über rund 450 Millionen Tonnen Erz und besitzt damit die zweitgrößten Reserven Armeniens. Wegen hoher Schulden war die Mine an die russische Staatsbank VTB übergegangen, die inzwischen westlichen Sanktionen unterliegt. Der Kauf soll über eine Drittfirma abgewickelt worden sein.
Der Journalist Mkrtitsch Karapetjan vom armenischen Dienst von Radio Free Europe/Radio Liberty erklärte gegenüber der Deutschen Welle, Sokolov habe ein direktes Geschäft mit der russischen Bank vermeiden wollen. Die Angaben zum Kauf wurden damit als Teil der Berichterstattung über ausländisches Kapital in Armenien eingeordnet.
In Armenien wird Sokolovs Rolle unterschiedlich bewertet. Die Regierung und ihre Unterstützer begrüßen den Zufluss westlicher Investitionen in Infrastrukturprojekte. Teile der Opposition sehen dagegen Sicherheitsrisiken. Der Abgeordnete Mesrop Manukjan vom Bündnis „Armenien“ kritisierte im Parlament, dass Sokolov innerhalb weniger Jahre bedeutende Beteiligungen in den Bereichen Finanzen, Bergbau und Telekommunikation erwerben konnte.
Manukjans Fraktion lehnt das TRIPP-Projekt ab. Sie betrachtet die Route als möglichen extraterritorialen Korridor und als erhebliche Bedrohung für die Sicherheit Armeniens.
Sokolov selbst ist in der armenischen Öffentlichkeit weiterhin wenig präsent. Offizielle Fotos von ihm gibt es nicht, zudem gibt er bei Geschäftsreisen in der Regel keine Interviews für die lokale Presse. Anfang August traf er sich in Jerewan mit Premierminister Nikol Paschinjan und Außenminister Ararat Mirsojan. Begleitet wurde er von Aryeh Lightstone, einem leitenden Berater des US-Sondergesandten für Friedensmissionen, Steve Witkoff.
In den USA und der Schweiz ist Sokolov auch wegen seines politischen Engagements bekannt. Er gilt als Unterstützer von Donald Trump und spendete der US-Nachrichtenagentur AP zufolge innerhalb eines Jahres rund elf Millionen Dollar an dessen MAGA-Bewegung.
Seine russischen Wurzeln haben in Armenien Spekulationen ausgelöst. In sozialen Medien wird die Theorie diskutiert, Sokolov könne eine Verbindungsperson zwischen Moskau und Washington sein. Andere Beobachter weisen darauf hin, dass er die russische Regierung und den Krieg gegen die Ukraine öffentlich scharf kritisiert habe.
Der Politikwissenschaftler Benjamin Poghosjan von der armenischen Denkfabrik APRI hält sowohl ein politisches als auch ein pragmatisches Motiv für Sokolovs Ernennung für möglich. Sein Hintergrund könne dazu beitragen, Kritik aus Moskau abzumildern. Ebenso sei denkbar, dass Sokolov wegen seiner Kenntnisse des Geschäftsumfelds der ehemaligen Sowjetunion und Armeniens ausgewählt worden sei.
Auch Aram Sargsjan, Vorsitzender der Republikanischen Partei Armeniens und Verbündeter Paschinjans, sieht in Sokolov keine geheime Verbindungsperson für Moskau. Er betont stattdessen dessen Geschäftskontakte, Sprachkenntnisse und Verständnis für russische Strukturen.
Der vorliegende Beitrag basiert auf der Berichterstattung der Deutschen Welle.