Auf ein Umspannwerk in Turnow-Preilack im Süden Brandenburgs ist ein mutmaßlicher Anschlag verübt worden. Ermittler fanden dort mehrere selbstgebaute Brand- und Sprengvorrichtungen. Nach bisherigen Erkenntnissen sollten damit Kurzschlüsse in Hochspannungsleitungen ausgelöst werden.
Der Vorfall ereignete sich am Dienstagmorgen. Kurz vor 8 Uhr meldeten Mitarbeiter der Polizei Beschädigungen an mehreren Oberleitungen. Einsatzkräfte bestätigten die Schäden wenig später und entdeckten zudem verdächtige Gegenstände. Daraufhin wurden Spezialisten zur Entschärfung hinzugezogen.
Nach Angaben der Ermittler waren an mehreren raketenähnlichen Vorrichtungen Kupferdrähte befestigt. Beim Auftreffen auf die Leitungen sollten sie einen Kurzschluss verursachen. In zwei Fällen gelang dies nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Jan Redmann. Eine Freileitung wurde dabei beschädigt.
Die Polizei bestätigte den Fund mehrerer sogenannter unkonventioneller Brand- und Sprengvorrichtungen. Nicht alle Geräte seien explodiert, erklärte eine Sprecherin des Brandenburger Polizeipräsidiums. Das Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen.
Redmann bezeichnete den Vorfall als gezielte Sabotage gegen die Energie-Infrastruktur. Die Flugkörper seien eigens für den Angriff gebaut worden und hätten leitfähiges Material in die Hochspannungsleitungen transportieren sollen. Ob für die Konstruktion besonderes Spezialwissen erforderlich war, werde noch untersucht.
Nach den vorliegenden Informationen wurden mehr als ein Dutzend weitere Vorrichtungen sowie umfangreiches Spurenmaterial gefunden. Die Sicherheitsbehörden gehen von einer professionell vorbereiteten Tat aus. Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang unklar. Ein Bekennerschreiben oder Hinweise auf Tatverdächtige liegen derzeit nicht vor.
Die Entschärfungsarbeiten dauerten am Dienstagabend noch an. Spezialisten machten weitere gefundene Vorrichtungen unschädlich und sicherten Zündsätze. Unterstützt wurden sie dabei von Bombenentschärfern der Bundespolizei. Für Mittwoch war eine groß angelegte Suche auf dem Gelände und in den umliegenden Bereichen angekündigt.
Das Umspannwerk liegt unweit des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde im Landkreis Spree-Neiße. Es speist den dort erzeugten Strom in das Übertragungsnetz des Betreibers 50Hertz ein. Das Unternehmen sprach von Sachbeschädigungen an mehreren Leitungen und einer kurzzeitigen Leitungsunterbrechung.
Auswirkungen auf die Bevölkerung gab es nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Ein größerer Stromausfall konnte verhindert werden, Menschen wurden nicht verletzt. Der Energieversorger Leag geht nach dem Fund der Vorrichtungen von einem Anschlag aus. Die Schutzmaßnahmen an anderen Energieanlagen wurden nach Angaben aus dem Bericht verstärkt.