Die AfD hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Bundes- oder Landtagswahl erzielt. Für eine absolute Mehrheit im Parlament reicht das Ergebnis jedoch nicht aus: Spitzenkandidat Ulrich Siegmund fehlen drei Mandate.
Damit ist offen, wie Siegmund eine Regierung bilden will. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zieht mit 5,3 Prozent in den Landtag ein und könnte für Gespräche infrage kommen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD ist innerhalb des BSW allerdings umstritten.
BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze sagte, seine Partei spreche mit allen Parteien, „dazu gehört die AfD“. Inhaltliche Überschneidungen gebe es etwa in der Russland-Frage. Unterschiede bestünden dagegen in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik.
Bei der Wahl des Ministerpräsidenten könnte sich die Frage nach einem gemeinsamen Kandidaten als besonders schwierig erweisen. Vertreter des BSW bevorzugen einen überparteilichen Bewerber. Siegmund und CDU-Politiker Sven Schulze sollen sie nach dieser Position nicht unterstützen. Zugleich erklärte Thomas Schulze, das BSW gebe zunächst keine Vorgabe für das Abstimmungsverhalten seiner Abgeordneten.
Eine Entscheidung könnte vor allem dann relevant werden, wenn es bei der Ministerpräsidentenwahl zu einem dritten Wahlgang kommt. In diesem Fall reicht eine einfache Mehrheit der Stimmen im Landtag. Ob Siegmund unter diesen Bedingungen gewählt werden könnte, ist jedoch offen.
AfD-Parteichef Tino Chrupalla kündigte an, seine Partei werde allen Parteien Gespräche anbieten. Siegmund selbst äußerte sich skeptisch zu einer Kooperation mit dem BSW. Gegenüber der „Bild“ sagte er, das Bündnis sei „nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems“. Eine Minderheitsregierung schloss er aus.
Die CDU lehnt nach einem Unvereinbarkeitsbeschluss eine Koalition und andere Formen der Zusammenarbeit mit der AfD ab. Deshalb ist unklar, ob die AfD einzelne Abgeordnete anderer Parteien für eine Unterstützung gewinnen kann. Siegmund deutete diese Möglichkeit in einem ZDF-Interview an. Er wisse nicht, ob es Abgeordnete gebe, die sagten: „Jetzt ist Schluss, jetzt spiel’ ich das hier nicht mehr mit.“
Mit dem Wahlergebnis ist die AfD in Sachsen-Anhalt deutlich stärker als bei der Bundestagswahl 2025, bei der sie im Land 37,1 Prozent der Zweitstimmen erhielt. Die Partei wird in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft.
Siegmund war im Wahlkampf mit einer stark auf seine Person ausgerichteten Kampagne angetreten. Er wurde 1990 in Havelberg geboren, wuchs in Tangermünde auf und wechselte 2014 von der CDU zur AfD. Seit 2016 sitzt er für die Partei im Landtag. Bekannt wurde er unter anderem durch Videos in sozialen Medien. Nun steht er vor der Frage, wie aus dem Wahlerfolg eine Regierungsmehrheit werden soll.