In Kroatien haben Zehntausende Menschen gegen illegale Abfallimporte und den Umgang der Regierung mit einer mutmaßlich verseuchten Deponie protestiert. Die Demonstration fand am 5. September 2026 in der Hauptstadt Zagreb statt.
Die Abfälle sollen unter anderem aus Italien, Slowenien und Deutschland stammen. Nach Angaben von Umweltaktivisten und Medienberichten lagern sie nahe der Ortschaft Gospic. Dort soll das Grundwasser durch die illegale Deponie belastet werden.
Die Demonstrierenden warfen der Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident Andrej Plenković Untätigkeit vor. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren aus verschiedenen Teilen des Landes nach Zagreb gereist. Auf Transparenten wurde unter anderem die Beseitigung der Deponie bei Gospic gefordert.
Zu den weiteren Forderungen gehören die Sanierung sämtlicher illegaler Mülldeponien in Kroatien, ein vorübergehendes generelles Verbot von Müllimporten sowie ein neuer nationaler Plan für den Umgang mit Abfällen. Darüber berichtet das kroatische Nachrichtenportal index.hr.
Der Fall beschäftigt die Behörden bereits seit längerem. Am 13. Februar 2025 ließ die kroatische Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der illegalen Deponie 13 Menschen festnehmen. Die Ermittlungen dauern nach Angaben des Berichts weiter an. Europol hatte die kroatischen Behörden dabei unterstützt.
Nach früheren Angaben von Europol wurde der größte Teil des Mülls über mehrere Unternehmen illegal aus Italien nach Kroatien gebracht. Weitere Abfälle kamen demnach aus Slowenien und Deutschland. Es soll sich sowohl um Plastikabfälle als auch um gefährliche Abfälle aus Krankenhäusern gehandelt haben.
Die Tatverdächtigen sollen mit den Geschäften mindestens vier Millionen Euro verdient haben. Europol zufolge wurden mindestens 35.000 Tonnen gefährlicher Müll illegal auf wenigstens drei Deponien in Kroatien verteilt.
Kroatische Umweltschutzaktivisten nennen für den Standort bei Gospic allerdings eine höhere Menge. Ihrer Darstellung zufolge sollen dort allein 37.000 Tonnen Abfall illegal abgelagert worden sein.
Um die kroatischen Umweltvorschriften zu umgehen, sollen die Tatverdächtigen Dokumente wie Frachtpapiere gefälscht haben. Gefährlicher Plastikmüll sei darin offenbar fälschlich als für das Recycling geeignet ausgewiesen worden, erklärte Europol.