Die Münchner Raumfahrtfirma Isar Aerospace hat mit ihrer Kleinrakete „Spectrum“ erstmals den Erdorbit erreicht. Beim zweiten Testflug startete die 28 Meter lange Trägerrakete vom norwegischen Andøya aus und setzte anschließend Satelliten in der Erdumlaufbahn aus. Damit gelang erstmals einer deutschen Trägerrakete der Flug in den Orbit.
Der Start erfolgte am Samstagabend gegen 22.12 Uhr deutscher Zeit. Die zweistufige Rakete wurde von neun Triebwerken der ersten Stufe angetrieben. Dabei kamen insgesamt 40 Tonnen flüssiger Sauerstoff und Propan zum Einsatz.
Nach der erfolgreichen Abtrennung der oberen Stufe mit der Nutzlast überquerte die „Spectrum“ die Kármán-Linie in rund 100 Kilometern Höhe. Etwa sieben Minuten nach dem Start erreichte sie den Erdorbit. Ob die Satelliten tatsächlich erfolgreich ausgesetzt worden waren, war zunächst unklar.
Nach rund zehn Minuten brach die Videoverbindung zur Bodenstation ab, weil die Rakete die maximale Reichweite der Verbindung überschritten hatte. In der Nacht bestätigte Isar Aerospace jedoch, dass auch das Aussetzen der Nutzlast gelungen sei. An Bord befanden sich fünf Kleinsatelliten sowie ein wissenschaftliches Experiment von Hochschulen und Unternehmen.
Der erste Testflug der „Spectrum“ war Ende März des Vorjahres nach etwa einer halben Minute wegen eines Problems mit einem Ventil beendet worden. Vor dem zweiten Versuch musste Isar Aerospace mehrere weitere Verschiebungen verkraften. Gründe waren unter anderem ein defektes Ventil, ein Fischerboot in der Sperrzone und ein Leck in einem Druckbehälter sowie ein undichter Heliumtank.
Der erfolgreiche Flug gilt als wichtiger Schritt für das Unternehmen und die deutsche Raumfahrt. Isar-Aerospace-Gründer Daniel Metzler erklärte in einer Mitteilung: „Heute hat Isar Aerospace den Weltraum aus Kontinentaleuropa geöffnet.“ Das Unternehmen will nun die Produktion ausbauen und weitere Aufträge bearbeiten. Nach früheren Angaben Metzlers soll der nächste Flug bereits kommerziell genutzt werden.
Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte dem Unternehmen und sprach vom Beginn einer neuen Ära. Auch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär bezeichnete den Orbitflug als Meilenstein. Er zeige die technische Leistungsfähigkeit Deutschlands und die Bedeutung der Zusammenarbeit mit norwegischen Partnern.
Die „Spectrum“ kann insgesamt eine Tonne Nutzlast transportieren. Isar Aerospace produziert nach eigenen Angaben bereits Raketen für weitere Flüge. Zudem plant das Unternehmen eine größere Fabrik östlich von München und eine zusätzliche Startmöglichkeit in der kanadischen Provinz Nova Scotia. Der Start in Andøya ermöglicht nach Angaben des Unternehmens auch Flüge in sogenannte Polarorbits, die unter anderem für die Erdbeobachtung wichtig sind.