Im Prozess gegen Lindsay Clancy ist die Jury zu keinem einstimmigen Urteil gekommen. Ein Geschworener konnte sich nach den Beratungen nicht entscheiden, ob die Angeklagte wegen einer mutmaßlichen schweren postpartalen Psychose für schuldig oder unschuldig befunden werden sollte. Das Verfahren ist damit zunächst beendet.
Clancy, eine 36 Jahre alte Mutter, hatte gestanden, ihre drei kleinen Kinder getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft bewertete die Tat als kaltblütigen Mord. Die Verteidigung plädierte dagegen auf unschuldig und verwies auf Clancys psychischen Zustand nach der Geburt.
Die Verhandlung in Plymouth im US-Bundesstaat Massachusetts dauerte sieben Wochen. Anschließend beriet die Jury, bestehend aus neun Frauen und drei Männern, abseits der Öffentlichkeit über die Schuldfrage. Die Diskussionen zogen sich insgesamt knapp 40 Stunden hin. Eine Einigung auf ein gemeinsames Urteil gelang jedoch nicht.
Nun muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie ein neues Verfahren gegen Clancy anstrengt. Weitere Angaben zu einer möglichen Entscheidung liegen in dem vorliegenden Material nicht vor.
Der Fall hat in den USA große Aufmerksamkeit erregt. Nach Einschätzung der Jury-Expertin Valerie Hans zeigt er, welche Bedeutung einzelne Mitglieder in einem Geschworenengremium haben können. Hans ist Juristin und Professorin sowie eine führende Forscherin auf dem Gebiet amerikanischer Jurys.
Als Vergleich wird in dem Material der Film „12 Angry Men“ aus dem Jahr 1957 genannt. Darin überzeugt ein einzelnes Jury-Mitglied die übrigen Geschworenen, eine anfängliche Abstimmung von eins zu elf schrittweise in eine einstimmige Entscheidung zu verändern. Hans hat sich in einem Aufsatz damit beschäftigt, wie realistisch ein solches Szenario ist. Ihre kurze Einschätzung: Ein solcher Verlauf sei ein Ausnahmefall. Zugleich könne auch heute eine Person mit starkem Einfluss in einer amerikanischen Jury sitzen.