Das Wetterphänomen El Niño dürfte nach Einschätzung der Weltwetterorganisation (WMO) in den kommenden Monaten ungewöhnlich stark werden. Die Organisation erwartet, dass es bis in den Februar anhält und Ende 2026 seinen Höhepunkt erreicht. Dadurch könnten sich Niederschlags- und Temperaturmuster in vielen Regionen der Welt erheblich verändern.
Nach Angaben der WMO steigt das Risiko für Überschwemmungen, Dürren und extreme Hitze. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo warnte, das Ereignis habe das Potenzial, Gesellschaften und Volkswirtschaften weltweit massiv zu treffen. Sie rief Katastrophenschutzbehörden dazu auf, geeignete Vorkehrungen zu treffen.
Auch die Landwirtschaft, Gesundheitssysteme und die Energieversorgung könnten unter den Folgen leiden. UN-Generalsekretär António Guterres verwies insbesondere auf die erhöhte Gefahr von Dürren, Überschwemmungen und Hitze.
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen rechnet vor allem in Zentralamerika mit Hungerkrisen. Honduras, Panama und El Salvador hatten Ende August wegen anhaltender Trockenheit Dürre-Alarm ausgerufen. Die britische Wetterbehörde Met Office sprach von einem möglichen „intensivsten“ El Niño seit mehr als einem Jahrhundert.
Die Folgen des Wetterphänomens fallen regional unterschiedlich aus. Dürren werden unter anderem in Australien, Indonesien und im südlichen Afrika erwartet. Starkregen könnte dagegen an der Westküste Südamerikas, am Horn von Afrika und in den südlichen USA auftreten. Auch extreme Hitze und Überschwemmungen sind in den kommenden Monaten möglich. Europa dürfte nach den vorliegenden Einschätzungen vergleichsweise weniger betroffen sein.
El Niño entsteht, wenn sich die Wasseroberfläche im östlichen und zentralen Pazifik nahe dem Äquator erwärmt. Das beeinflusst weltweit Wind, Luftdruck und Niederschläge und erhöht das Risiko für Wetterextreme. Das natürlich auftretende Phänomen tritt üblicherweise alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert neun bis zwölf Monate.
Nach El-Niño-Jahren liegt die globale Durchschnittstemperatur häufig besonders hoch. Das bislang heißeste Jahr 2024 folgte auf ein El-Niño-Ereignis und lag rund 1,6 Grad über dem Niveau vor der industriellen Revolution. Auch 2026 waren bereits mehrere Monate überdurchschnittlich warm. Der Juli erreichte eine Durchschnittstemperatur von 22,48 Grad Celsius und lag damit rund 2,5 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020.
Für September bis November prognostiziert die WMO über nahezu allen Landflächen der Erde Temperaturen über dem langjährigen Durchschnitt. El Niño wird nicht durch den Klimawandel verursacht, kann dessen Folgen jedoch verschärfen. Mehrere Forscher gehen zudem davon aus, dass der menschengemachte Klimawandel die El-Niño-Ereignisse in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts generell verstärken könnte.
Dieser Artikel basiert auf Angaben der Weltwetterorganisation sowie den im Ausgangsmaterial genannten Berichten von dpa, AFP, KNA und weiteren beteiligten Stellen.