Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian ist am 26. Verhandlungstag eine mögliche neue Spur ohne entscheidende Wende geblieben. Drei Kinder sagten vor dem Landgericht Rostock aus, sie hätten den Jungen am Tag seines Verschwindens noch gesehen. Die zeitliche Einordnung ihrer Beobachtungen ist jedoch umstritten.
Bei den Zeugen handelte es sich um zwei zehnjährige Jungen und ein zwölfjähriges Mädchen. Die Verteidigung bewertete die Aussagen der Jungen als überzeugend. Gina H.s Anwalt Andreas Ohm erklärte, die beiden seien erkennbar bemüht gewesen, die Wahrheit zu sagen. Die Grundaussage, Fabian am 10. Oktober 2025 gesehen zu haben, sei „sehr überzeugend“.
Die Staatsanwaltschaft äußerte dagegen erhebliche Zweifel an der zeitlichen Einordnung. Staatsanwalt Oliver Schley sagte, die beiden Jungen hätten wahrscheinlich eine entsprechende Situation beobachtet, allerdings am Donnerstag. Das entspreche den bisherigen Ergebnissen der Hauptverhandlung. Die Angaben zum Zeitpunkt seien „inkonstant“.
Auch die Aussage des zwölfjährigen Mädchens bewertete die Staatsanwaltschaft kritisch. Schley verwies auf erhebliche Widersprüche: Bei der Polizei habe das Mädchen zunächst von einem Mann gesprochen, später jedoch von zwei Männern. Außerdem habe sie zunächst gesagt, der Mann habe Fabian angefasst, dies auf Nachfrage in der Verhandlung aber verneint.
Gina H. ergänzte am Donnerstag ihre bereits 95 Seiten umfassende Einlassung um weitere Seiten. Darin ging sie erneut auf ihre intensive Handynutzung und ihre Parkplatzwahl am Tag von Fabians Verschwinden ein. Ihre Handydaten spielen im Prozess eine wichtige Rolle, weil sie für die Frage nach einem möglichen Alibi ausgewertet werden.
Die Angeklagte gibt an, am 9. Oktober 2025, einen Tag vor der Tat, sowie zum Zeitpunkt des Anzündens der Leiche mit ihrem Bekannten Christian D. zusammen gewesen zu sein. Die Ermittler leiten aus der intensiven Nutzung der Mobiltelefone und dem Nachrichtenaustausch zwischen beiden jedoch einen anderen zeitlichen Ablauf ab. Ihrer Einschätzung zufolge könnten die Treffen zu diesem Zeitpunkt bereits beendet gewesen sein.
Gina H. erklärte über ihren Anwalt, sie sei auch während Treffen regelmäßig am Handy gewesen. „Ich habe schon in meiner Einlassung gesagt, dass ich geradezu süchtig hinsichtlich der Nutzung meines Handys bin“, ließ sie mitteilen. Nachrichten zwischen ihr und Christian D. seien deshalb kein Beleg dafür, dass die Treffen bereits beendet gewesen seien.
Der Verhandlungstag endete ohne abschließende Klärung der offenen Fragen. Der vorliegende Bericht zum Prozess fasst außerdem Sprachnachrichten zwischen Gina H. und Matthias R. vom Oktober 2025 zusammen. Am kommenden Donnerstag soll Gina H. den Angaben zufolge den Fragen des Gerichts gestellt werden.