Der Pianist András Schiff ist erstmals seit 16 Jahren wieder in Budapest aufgetreten. Seine beiden Konzerte in der ungarischen Hauptstadt waren innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Die Franz-Liszt-Musikakademie, an der Schiff studiert hatte, verlieh ihm zudem die Ehrendoktorwürde.
Schiff hatte Ungarn aus Protest gegen Viktor Orbáns politische Entwicklung boykottiert. Am 10. Oktober 2010, dem Tag der Beerdigung seiner Mutter, war er nach eigenen Angaben zuletzt in seiner Heimat gewesen. Damals hatte er beschlossen, solange nicht mehr in Ungarn aufzutreten, wie Orbán an der Macht sei.
Bei seiner Rückkehr wurde der 72-Jährige in Budapest begeistert empfangen. Zur Verleihung der Ehrendoktorwürde kam auch der Budapester Bürgermeister Gergely Karácsony. „Ungarn ist nach Europa zurückgekehrt, und András Schiff ist nach Ungarn zurückgekehrt!“, schrieb Karácsony später auf Facebook.
Schiff sprach bei einer Pressekonferenz in der Musikakademie über seine enge Verbindung zu dem Land und der Institution. Er habe die Akademie und Ungarn während der Jahre vermisst, sein Verhältnis zu dem Land sei jedoch nicht abgerissen. Der Pianist hatte an der Akademie beim Komponisten György Kurtág studiert.
Die Rückkehr fällt in eine Zeit des politischen und kulturellen Umbruchs in Ungarn. In der Kulturszene herrschen laut dem Bericht Aufbruchstimmung und Unsicherheit. Unter Orbán seien Förderungen im Bereich der Hochkultur nach politischer Loyalität vergeben und Kulturinstitutionen mit politischen Vertrauten besetzt worden. Nun werde auch dort mit Veränderungen gerechnet.
Auf die Frage, ob Künstler sich politisch äußern sollten, sagte Schiff, ihre Worte seien zwar „nur ein Tropfen im Meer“. Ein Künstler müsse sich aber im Spiegel betrachten können, „ohne hinspucken zu müssen“. Schiff hatte sich auch in anderen Ländern politisch positioniert. In Österreich trat er Anfang der 2000er-Jahre nicht auf, nachdem die rechte FPÖ in die Regierung eingezogen war. In den USA gibt er wegen Donald Trump ebenfalls keine Konzerte mehr.
Für Ungarn erwartet Schiff weitere Veränderungen. Die Oper brauche seiner Ansicht nach einen neuen Direktor. Zugleich sprach er sich gegen Vergeltung aus. Stattdessen gehe es darum, Fehler einzugestehen, daraus zu lernen und zu vergeben. Der Beitrag basiert auf einem Bericht der Süddeutschen Zeitung.